Die natürliche Asymmetrie zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte scheint laut einer neuen Studie eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von sprachlichen Fähigkeiten bei Kindern zu spielen. Wissenschaftler vom University of Florida’s McKnight Brain Institute vermuten, dass der zusätzliche Platz in der linken Gehirnhälfte in die Sprachfähigkeiten investiert wird. Die Forscher haben ihre Ergebnisse in der Zeitschrift “Child Development” veröffentlicht.
Die Wissenschaftler um Mark A. Eckert untersuchten mittels Gehirnscanns und verschiedenen sprachlichen Test 39 Sechstklässler. Die Forscher fanden heraus, dass Kinder bei denen die rechte und linke Hälfte des Gehirns eher symmetrisch sind, die Tests zu den Lese- und Sprachfähigkeiten nicht so gut absolvierten, wie Kinder bei denen die normalerweise vorkommende Asymmetrie festgestellt wurde.
Neben den Gehirnscanns berücksichtigten die Wissenschaftler auch den sozialökonomischen Status der Kinder. Kinder aus einem armen Elternhaus können häufig schlechter Lesen und Schreiben. Jedoch stellten die Wissenschaftler keinen Unterschied im Vorkommen einer Symmetrie oder Asymmetrie bei den Kindern unterschiedlicher Sozialschichten fest. “Es gibt zwei Hauptergebnisse der Studie”, so Eckert. “Zum einen bestimmt die Gehirnasymmetrie die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder, und zweitens trifft dies auf Kinder aus Familien mit gutem Einkommen und aus Familien mit schlechtem Einkommen zu.”
Jean Berko Gleason von der University of Boston gibt jedoch zu bedenken: “Ungeachtet der Größe oder Form des Gehirnes eines Kindes kann frühes Eingreifen in die Entwicklung von Lesen und sprachlichen Fähigkeiten fast immer helfen. Ich glaube nicht, dass man den Schluss ziehen kann, für jemanden sei es vorherbestimmt, ein guter oder schlechter Leser zu sein.” Es sei denkbar, dass frühe Spracherfahrungen zur anatomischen Entwicklung des Gehirnes beitragen können. “Diese frühen Erfahrungen können nicht nur auf die Fähigkeiten später im Leben Einfluss nehmen, sondern beeinflussen auch die körperliche Entwicklung des Gehirnes”, fügt Gleason hinzu.
Nicole Waschke





