Heinz Rotter: Man weiß heute, dass Kinder besonders verletzlich sind, ihr Immunsystem kann leichter geschädigt werden, zum Beispiel wenn sie mit Pestiziden in Kontakt kommen, Umweltgifte wie Blei können viel stärkere Schäden hervorrufen. Deshalb sind Kinder gleich zweimal geschädigt. Einmal direkt durch ihren empfindlicheren Körper und dann indirekt, weil sie ihre Zukunftspläne nicht mehr so verwirklichen können wie in einer intakten Umwelt.
Wie kam es überhaupt dazu, dass terre des hommes die Rechte von Kindern gewahrt wissen will?
Terre des hommes ist eine Kinderrechts- und Kinderhilfsorganisation, die zunächst in der Schweiz gegründet wurde, weil Reporter der Öffentlichkeit gezeigt haben, dass im Algerienkrieg Kinder ganz besonders zu den Opfern gehören. terre des hommes Deutschland wurde 1967, ein paar Jahre später, in Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg gegründet. Der Krieg war stark in den Medien. Reporter waren noch nicht wie heute abgeschirmt, sondern konnten berichten, wie sie wollten. Und das hat den Menschen seinerzeit gezeigt, wie verletzlich gerade Kinder sind. Wir haben daraufhin viele Kinder nach Deutschland gebracht, um ihnen ein besseres Leben zu bieten, aber bald gemerkt, dass es besser ist, sie im Land zu lassen und dort zu unterstützen.
1989 wurde schließlich die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet…
Richtig. Mit dieser Kinderrechtskonvention verpflichten sich die Vertragsstaaten den Kindern auf der ganzen Welt ihrer Verantwortlichkeit für die Entwicklung von Kindern gerecht zu werden. Das reicht vom Recht auf eine gewaltlose Erziehung über das Recht auf Spiel und Freizeit bis hin zum Recht, durch geeignete Maßnahmen, Krankheiten oder Fehl- und Unterernährung vorzubeugen. Deutschland hat die Kinderrechtskonvention sehr bald ratifiziert.
Wer hat die Kinderrechtskonvention sonst noch ratifiziert?
Alle Staaten der Welt außer den USA. Keine andere Konvention hat so viel Zustimmung erhalten.
Und warum sind ausgerechnet die USA nicht dabei?
Ich kann das nur vermuten: Die USA behalten sich vermutlich das Recht vor, auch Kinder ins Gefängnis zu stecken oder Minderjährige zu rekrutieren. Beides widerspricht der Kinderrechtskonvention. Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig. Und Kinder unter 15 Jahren dürfen nach der Kinderrechtskonvention an keinen Kampfhandlungen teilnehmen. In einem Zusatzprotokoll, das es inzwischen dazu gibt, ist diese Altersgrenze auf 18 Jahre angehoben worden.





