Die Abholzung von Regenwäldern zugunsten von Palmöl-Plantagen gilt als einer der Treiber für die Entwaldung in den Tropen. Daher hatte die deutsche Bundesregierung als Ziel vorgegeben, dass Hersteller möglichst bis zum Jahr 2020 auf 100 Prozent nachhaltiges, ohne Entwaldung produziertes Palmöl umsteigen sollen. Solches Öl stammt dann von Plantagen, die auf schon länger landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen und für die daher keine ökologisch wertvollen Waldgebiete gerodet werden müssen. Außerdem müssen Vorgaben zum umwelt- und sozialverträglicheren Anbau umgesetzt werden.
Positive Bilanz für Kerzen aus Supermärkten und Drogerien
Ob deutsche Kerzenhersteller und Händler diese – freiwilligen – Vorgaben zur Nutzung nachhaltigen Palmöls umgesetzt haben, wurde nun von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) überprüft. Bereits 2020 hatte die Organisation einen solchen Kerzencheck durchgeführt und kam dabei auf einen Anteil von nachhaltigem Palmöl bei rund 40 Prozent der Kerzen. Befragt wurden für die Kerzenchecks insgesamt 52 Unternehmen, darunter Kerzenhersteller, Drogerien, Baumärkte, Möbelhäuser und Deko-Läden, sowie Supermärkte und der Großhandel.
Das Ergebnis: 20 der 52 befragten Unternehmen geben in diesem Jahr an, dass das von ihnen in Kerzen verwendete Palmöl ausschließlich aus nachhaltig zertifiziertem Anbau stammt. Das sind immerhin fünf mehr als im Vorjahr. Zu den Anbietern gehören fast alle Supermarktketten, außerdem Rossmannm und dm sowie Ikea, mehrere Kerzenfabriken sowie die Gepa und Waschbär. Während letztes Jahr kaum ein Unternehmen nachhaltiges Palmöl auf dem Produktetikett angegeben hat, drucken die Supermarktketten Norma, Lidl, Aldi Süd und Aldi Nord seit dieser Saison das RSPO-Label – die Zertifizierung der Initiative “Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl” – auf ihre Kerzen.
Große Defizite in der Transparenz
Negativ sticht hingegen ein Großteil der untersuchten Möbelhäuser, Großhändler und Dekoanbieter wie Höffner, Roller, Nanu Nana, Woolworth und Depot heraus. Die Unternehmen bleiben intransparent und veröffentlichen weder, ob Palmöl eingesetzt wird noch ob das verwendete Palmöl aus nachhaltigem, entwaldungsfreiem Anbau stammt. Ikea verkauft zwar wie schon im Vorjahr nur Kerzen aus 100 Prozent nachhaltigem Palmöl, kennzeichnet dies aber nicht ausdrücklich. Auch Baumärkte haben weiter Nachholbedarf bei der Transparenz ihrer verwendeten Kerzenrohstoffe. Insgesamt schweigt ein Drittel der 52 befragten Hersteller und Händler darüber, ob in ihren Kerzen Palmöl enthalten ist oder ob verwendetes Palmöl aus nachhaltig zertifiziertem Anbau bezogen wird.
“Unser Kerzencheck zeigt, dass zahlreiche Unternehmen freiwillig nicht bereit sind, auf zertifiziertes Palmöl umzusteigen und dies zu kennzeichnen. Wir fordern deshalb eine Kennzeichnungspflicht für nachwachsende Rohstoffe wie Pflanzenöle auf Kerzen und anderen Non-Food Produkten, wie Waschmitteln und Kosmetik”, sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. “Die geplante EU-Verordnung gegen importierte Entwaldung sollte künftig außerdem auch palmölbasierte Stoffe einschließen, die chemisch verarbeitet wurden. Diese sogenannten Derivate finden sich in zahlreichen Lebensmitteln und Non-Food-Produkten wie Kerzen, Kosmetik, Wasch-, Pflege- und Reinigungsprodukten und werden derzeit noch nicht berücksichtigt.”





