Amerikanische Biologen haben entdeckt, warum sich Fledermäuse beim Jagen nicht von den Schreien ihrer Artgenossen verwirren lassen: Sobald sie ein Geräusch wahrnehmen, das ihren eigenen Ultraschallrufen ähnelt, verändern sie die Frequenz ihrer Schreie so, dass sie sich deutlich vom Störgeräusch unterscheidet. Für diese Anpassung benötigen die kleinen Säugetiere nur einige Sekundenbruchteile, beobachteten Erin Gillam und ihre Kollegen.
Fledermäuse jagen häufig in Gruppen, wobei jedes Individuum Ultraschallrufe ausstößt und anhand des Echos Beutetiere lokalisiert. Schon länger fragen sich Wissenschaftler, wie die einzelnen Tiere es schaffen, sich in dem Gewirr von Schreien zurechtzufinden und ihre eigenen Rufe wiederzuerkennen. Daher untersuchten Gillam und ihre Kollegen in ihrer Studie nun, ob und wie Fledermäuse auf Schreie von Artgenossen reagieren. Dazu spielten die Forscher einer großen Gruppe von Fledermäusen der Art Tadarida brasiliensis Ultraschallrufe mit unterschiedlichen Frequenzen vor. Parallel dazu zeichneten sie die Schreie herannahender Individuen auf.
Das Ergebnis: Sobald die Fledermäuse die Geräusche hörten, verschoben sie die Frequenz ihrer eigenen Rufe. Fast alle Tiere wählten dabei eine Tonhöhe, die über der der künstlichen Schreie lag. Das galt selbst für die Exemplare, deren Ruffrequenz vorher deutlich tiefer war als die der aufgezeichneten Geräusche. Auch erfolgte diese Reaktion extrem schnell, beobachteten die Forscher in einem weiteren Experiment. Wurde nämlich die Frequenz des abgespielten Schreies verändert, während sich eine Fledermaus näherte, benötigte das Tier im Schnitt lediglich zwei zehntel Sekunden, um den eigenen Ruf anzupassen.
Neben dieser Frequenzverlagerung gab es noch andere Veränderungen, mit denen die Fledermäuse auf die Störgeräusche reagierten. So verkürzten sie Länge ihrer Rufe, ließen sie schneller aufeinander folgen und vergrößerten das Frequenzband ihrer Schreie. Die Lautstärke änderte sich dagegen nicht. Zusammengenommen erlauben diese Anpassungen den einzelnen Tieren, ihr Biosonar auch in einer Gruppe benutzen, erklären die Forscher ? eine Fähigkeit, über die künstliche Sonar- und Radarsysteme bislang nicht verfügen. Nun wollen Gillam und ihre Kollegen untersuchen, was passiert, wenn zwei Fledermäuse aufeinander zu fliegen und ob auch dann beide Tiere ihre Frequenzen nach oben verschieben.
Erin Gillam (Universität von Tennessee, Knoxville) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2006.0047 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





