Die langen, freiliegenden Luftwurzeln sind ihr Markenzeichen: Die 80 verschiedenen Arten von Mangrovenbäumen wachsen entlang vieler tropischer Küsten und Flussmündungen der Welt. Durch ihre speziellen Anpassungen können sie dem salzigen Wasser, den schwankenden Wasserständen und hohen Temperaturen trotzen und bilden dichte Wälder. Diese Ökosysteme haben eine weitreichende Bedeutung für Natur und Mensch: Sie bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum und bilden die Kinderstuben wichtiger Fischarten. Darüber hinaus schützen sie die Küsten vor der Erosion und tragen erheblich zur Bindung des Treibhausgases Kohlendioxid aus der Atmosphäre bei. Doch der Mensch hat diesen kostbaren Naturgebieten bereits stark geschadet: In den vergangenen 50 Jahren wurde mehr als ein Drittel der weltweiten Mangrovenwälder abgeholzt oder zerstört. Und noch immer werden die Bestände durch Aquakultur, Landwirtschaft und Stadtentwicklung bedroht – rund 20.000 Hektar gehen jedes Jahr verloren.
Immerhin zeichnet sich aber auch ein erfreulicher Trend ab: Die globalen Schutzbemühungen der letzten Jahrzehnte haben durchaus zu großen Erfolgen geführt. Die Verlustraten sind deutlich gesunken und in einigen Gebieten gibt es zudem Bemühungen, verlorene Mangrovenbestände wiederherzustellen. Die Massenanpflanzungen von Mangrovensetzlingen, die diesem Ziel oft dienen sollen, rückt nun allerdings die „Mangrove Specialist Group“ der International Union for Conservation of Nature (IUCN) in ein kritisches Licht.
Großer Aufwand – wenig Erfolg
Die internationalen Experten haben ein Positionspapier mit dem Titel „Pause before you plant“ („Halte inne, bevor Du pflanzt“) veröffentlicht, das Entscheidungsträger beim Mangrovenschutz auf Probleme aufmerksam machen soll. „In der Mangrovenexpertengruppe der IUCN beobachten wir seit längerem mit zunehmender Besorgnis eine Art Aktionismus, der vielfach mit Mangrovenanpflanzungen einhergeht. Natürlich ist es begrüßenswert, dass etwas für die Rettung von Mangrovenwäldern getan wird, aber leider sind viele Projekte langfristig nicht von Erfolg gekrönt“, sagt Co-Autor Martin Zimmer vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung.
Den Experten zufolge haben die Misserfolge verschiedene Gründe: Demnach sind die Projekte zur Restauration durch Massenanpflanzungen oft zum Scheitern verurteilt, weil wichtige ökologische Rahmenbedingungen nicht bedacht werden. So werden Mangroven etwa an Standorten gepflanzt, die starken Strömungen ausgesetzt sind, sodass die noch nicht verwurzelten Jungpflanzen leicht weggespült werden können. Zudem ist oft die Artenauswahl problematisch: „Massenanpflanzungen sind sehr medienwirksam, konzentrieren sich aber oft nur auf eine oder zwei Arten, die leicht anzupflanzen sind“, sagt Zimmer. „Das Ergebnis sind häufig Bestände, die nicht die erwünschten Ökosystemprozesse und -leistungen erbringen. Oft werden auch wenig stressresistente Monokulturen angelegt oder Arten ausgebracht, die nicht einheimisch sind, invasiv werden und zu ökologischen Problemen führen können“, so der Wissenschaftler.





