Bislang mussten Ärzte eine Knochenlamelle zwischen Auge und Nase durchbrechen, um an den verstopften Tränenkanal zu gelangen und ihn wieder zu öffnen. Mit dem vom Bonner Radiologen Kai Wilhelm entwickelten Katheter gelingt dies jedoch ohne schwere Operation. Als Vorbild dienten dem Mediziner die weitaus größeren Katheter, wie sie zur Aufweitung von Blutgefäßen beispielsweise bei Herzoperationen verwendet werden. Damit der Tränenkanal nicht wieder zusammenschnurrt, setzt Wilhelm nach dem Eingriff eine Art Schiene ein, die bis zu einem Monat Kanal belassen werden kann. Über 180 Patienten haben die Bonner Mediziner bereits mit der neuen Methode behandelt. In vier von fünf Fällen konnten sie die Verengung dauerhaft beseitigen.
Mediziner der Universität Bonn haben ein neues Operationsverfahren zur Öffnung verstopfter Tränenkanäle entwickelt. Dabei wird ein weniger als ein Millimeter dünner Ballonkatheter vom Augenwinkel aus in den Kanal eingeführt und aufgeblasen. Der Katheter weitet sich dadurch auf bis zu drei Millimeter auf und sprengt so den Verschluss des Kanals auf. Statt einer aufwändigen Operation unter Vollnarkose ist für den Eingriff damit nur noch eine ambulante Behandlung bei lokaler Betäubung nötig, teilt die Universität in Bonn mit.
Verstopfte Tränenkanäle gehen oft mit einem stetigen Tränenfluss einher und sind daher ein besonders lästiges Augenleiden. Grund für das tränende Auge ist meist eine chronische Entzündung der ableitenden Tränenwege, die vom inneren Augenwinkel durch einen knöchernen Gang zur Nase führen. Sie können sich nicht beliebig ausdehnen und schwellen deshalb schnell zu. So können die Tränen nicht mehr abfließen.
ddp/bdw ? Ulrich Dewald





