In Deutschland leben seit Langem Tiere, die ursprünglich aus fremden Regionen stammen. Der Damhirsch (Dama dama), das Europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), der Jagdfasan (Phasianus colchicus) und das Rothuhn (Alectoris rufa) wurden beispielsweise bereits vor etwa 1000 Jahren absichtlich zur Jagd eingeführt. Doch viele andere Arten gelangten unbeabsichtigt zu uns und es werden immer mehr. „Während früher Tiere und Pflanzen hauptsächlich für Jagd- und Freizeitaktivitäten ins Land gebracht wurden, haben sich mit dem globalen Handel und der veränderten menschlichen Mobilität auch die Einführungswege von gebietsfremden Arten verändert“, erklärt Philipp Haubrock vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt.
So kommen viele invasive Organismen heute über die Landwirtschaft, den Tourismus, private Tierhaltungen und in Verpackungen oder Produkten des Online-Handels nach Deutschland. „Aufgrund seiner zentralen Lage in Europa und seines umfangreichen Handelsnetzes ist Deutschland besonders anfällig für die Einführung und Ausbreitung nicht-heimischer Arten“, sagt Haubrock.
Knapp 2000 invasive Arten dokumentiert
Doch wie stark sind die Folgen dieser Entwicklungen? Wie viele Arten, die ursprünglich nicht in Deutschland heimisch waren, leben inzwischen dauerhaft hier? Dieser Frage sind nun Forschende um Haubrock nachgegangen und haben erstmals eine umfassende Liste aller invasiver Arten in Deutschland erstellt, einschließlich ihrer Herkunftsregionen und den Auswirkungen auf die betroffenen Lebensräume. Dafür fassten sie verschiedene bestehende Datenerhebungen zusammen.
Diese Inventur ergab, dass es in Deutschland 1962 etablierte, gebietsfremde Arten aus 594 Familien und 35 Stämmen gibt – weit mehr als in früheren Studien dokumentiert wurden. „Die meisten der eingeschleppten Arten sind Pflanzen, dicht gefolgt von Insekten und – mit größerem Abstand – von Wirbeltieren. Rund 80 Prozent dieser Arten leben an Land, einige kommen in Feuchtgebieten vor. Nur ein kleiner Teil – weniger als fünf Prozent – besiedelt Süßwasserlebensräume oder andere spezielle Lebensräume“, berichtet Haubrock. Etwa acht Prozent der gebietsfremden Spezies sind Meeresbewohner.
Am häufigsten stammten die Tiere und Pflanzen von der Nordhalbkugel, aus benachbarten europäischen Ländern und aus Asien, aber auch Einführungen aus Nordamerika traten sehr häufig auf. Demnach wurden die Lebewesen oft aus weiter Ferne zu uns transportiert. Von 335 Arten ist die Herkunft unbekannt. Angesiedelt haben sich die Neuankömmlinge dann vor allem in Süddeutschland: „Die meisten etablierten, invasiven Arten wurden in Bayern gemeldet, dicht gefolgt von Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen“, so Haubrock. Auch Thüringen und Sachsen-Anhalt verzeichneten mit je über 1000 eingeschleppte Arten hohe Zahlen.





