Im Gebirgszug der Karpaten befindet sich Osteuropas größte Waldregion. Hier wachsen einige der letzten Urwälder Europas. Die Karpaten gelten deshalb als „Biodiversitäts-Hotspot”. Jetzt warnen Wissenschaftler um Jan Knorn von der Humboldt-Universität Berlin vor einem Rückgang der Naturwälder.
Die Forscher hatten Satellitenbilder ausgewertet und festgestellt, dass allein in Rumänien im letzten Jahrzehnt über 2700 Hektar Naturwald abgeholzt wurden – auch in Naturschutzgebieten. „Das hat bedeutende Auswirkungen auf das Ökosystem der Karpaten”, befürchtet Knorn. Über 125 Pflanzen- und Tierarten – darunter Wolf, Braunbär und Luchs – wären stark bedroht. Außerdem steige die Gefahr von Bodenerosion, Hangrutschen und Überflutungen.
Hauptgrund für den Raubbau in den Karpaten ist laut Knorn die Veränderung der Eigentumsverhältnisse dort. Die Enteignung privater Waldbesitzer nach dem Zweiten Weltkrieg wurde seit Beginn der 1990er-Jahre schrittweise rückgängig gemacht. Inzwischen sind etwa zwei Drittel des Staatsforstes reprivatisiert. Die Wissenschaftler sehen ihre Untersuchung als Beleg dafür, wie stark sozioökonomische Einflüsse sich auf den Naturschutz auswirken können. Und sie betonen: Die Ausweitung der Schutzgebiete, die die EU im Rahmen der Osterweiterung durchgeführt hat, erfüllt ihre Aufgabe offenbar nicht.





