Der aktuelle Weltklimabericht hat es noch einmal bestätigt: Die Menschheit muss umsteuern – weg von fossilen Energieträgern und Industrien hin zu nachhaltigeren, klimafreundlicheren Technologien und Wirtschaftsweisen. Eine Schlüsselrolle für diese Transformation spielen die Industrieregionen. Denn für sie sind die Herausforderungen einer Umstellung zwar besonders hoch, gleichzeitig können sie besonders viel zum Wandel beitragen – und müssen es auch: “Eine ‚grüne‘ Transformation zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist die zwingende Voraussetzung für eine ökonomisch, ökologisch und sozial tragfähige Zukunft von Industrieregionen”, sagt Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut.

Ist der Wandel zur grünen Industrieregion machbar?
Wie ein solcher Wandel von Industrieregionen gelingen kann, haben Fischedick und seine Kollegen exemplarisch am Beispiel des Ruhrgebiets untersucht. “Gerade wenn es in der Metropole Ruhr mit ihren besonderen Bedingungen als Industrie- und Metropolregion gelingt, den ganzheitlichen Pfad einer nachhaltigen Entwicklung ambitioniert, zielorientiert und beschleunigt zu beschreiten, kann dies eine wichtige Blaupause für viele andere Industrie- und Metropolregionen weltweit liefern”, so das Team. Konkret haben die Forscher zunächst entlang von sieben zentralen Handlungsfeldern und 35 Indikatoren definiert, was eine „grüne Industrieregion“ ausmacht und welche Veränderungen dafür nötig sind.
Dann folgte der nächste Schritt: Die Wissenschaftler untersuchten anhand von sieben zentralen Indikatoren, welches Potenzial die Metropole Ruhr hat, eine weltweite Vorreiterrolle bei der Transformation zu einer grünen Industrieregion einzunehmen. Zu diesen sieben Kernindikatoren gehören die Treibhausgasemissionen, die Stickoxid-Belastung, der Anteil erneuerbarer Energien, die Verkehrsmittel, der Anteil der Grünflächen, der Zustand der Fließgewässer und die Anzahl der im Umweltbereich Beschäftigten. Für das Ruhrgebiet stellten die Forscher fest, wie weit jeweils die Transformation gediehen ist und welche Voraussetzungen die Region für die weitere Transformation hin zu einer grünen Industrieregion bietet.
Beim Verkehr hapert es noch, bei den Emissionen gibt es gute Ansätze
Das Ergebnis: In zwei Indikatoren hat das Ruhrgebiet bisher eher geringes Potenzial, um zur Vorreiterregion zu werden. Dazu gehört der Verkehr: “Hier ist das Potenzial gering, weil die bisherigen Entwicklungen noch in die falsche Richtung gehen”, konstatieren Fischedick und seine Kollegen. Denn bisher nimmt der Anteil des motorisierten Individualverkehrs zu und öffentliche Verkehrsmittel wie die Straßenbahn werden in Teilen sogar stillgelegt. Obwohl die Region als dicht besiedelte Metropole mit kurzen Wegen gute Voraussetzungen für einen nachhaltigeren Verkehr mitbringe, sei hier ein grundlegender, ambitionierter und zielorientierter Wandel nötig, so das Team. Eher schlechte Voraussetzungen hat die Metropolregion bisher für die Versorgung mit erneuerbaren Energien innerhalb der eigenen Region. Dennoch könnten Solardächer und Fernwärme die Bilanz hier zumindest verbessern.





