Dass sich das Ur-Kamel vor rund 45 Millionen Jahren in Nordamerika entwickelte, ist seit Längerem bekannt. Unklar war bisher jedoch, wie weit im Norden sein Lebensraum lag. Sehr weit im Norden, besagt jetzt eine Studie von Forschern um Natalia Rybczynski vom Canadian Museum of Nature in Ottawa. Die Wissenschaftler haben auf Ellesmere Island in der kanadischen Arktis das 3,5 Millionen Jahre alte Schienbein eines frühen Kamels entdeckt. Das ist 1200 Kilometer weiter nördlich als der Ort bisheriger Funde. Als das Tier lebte, war es in der Arktis nicht ganz so kalt wie heute, und es gab ausgedehnte Waldflächen. Das Arktis-Kamel muss ein wahrer Riese gewesen sein, da der Schienbeinknochen rund ein Drittel länger ist als der heutiger Exemplare.
Dass Kamele früher auch im hohen Norden und in Wäldern lebten, belegen laut Rybczynski einige Merkmale heutiger Tiere: So sind die breiten und flachen Füße nicht nur zur Fortbewegung auf Sand, sondern auch auf Schnee geeignet. Und die Höcker könnten als Fettspeicher zum Überleben in den eisigen Wintern gedient haben. Nach Afrika und Asien gelangten die Tiere übrigens vor sechs bis sieben Millionen Jahren, indem sie über die Beringstraße wanderten, eine Landbrücke zwischen Nordamerika und Asien.





