Die hoch aufragenden Säulen der Kakteen sind aus vielen Wüsten und Trockengebieten der Neuen Welt kaum wegzudenken. Sie prägen ganze Landschaften und bilden eine entscheidende Überlebenshilfe für viele Tiere dieser Gebiete. Von dem Wasser, das im saftigen, wenn auch von Stacheln geschützten Fruchtfleisch der Kakteen gespeichert ist, leben in den Wüsten Amerikas viele Kleinsäuger, aber auch Echsen, Vögel und sogar Kojoten. Der Nektar der Kaktusblüten liefert Fledermäusen, Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten wertvolle Nährstoffe.
Aber auch für die menschlichen Bewohner der Wüstengebiete sind Kakteen schon seit Jahrhunderten ein wichtiger Teil der Nahrungsversorgung. So gilt beispielsweise der Stamm der Kaktusart Opuntia ficus-indica in Mexiko als ähnlich nahrhaft wie ein Steak und die Wurzeln der Art Ariocarpus kotschoubeyanus werden als Mittel gegen Entzündungen verwendet. Dass viele dieser Arten längst akut bedroht sind, war bisher schlicht unbekannt.
Bedrohter als Säugetiere und Vögel
Umso überraschender sind die Ergebnisse einer ersten systematischen Erhebung des Bedrohungsstatus durch Forscher der International Union for Conservation of Nature (IUCN). Erstmals haben die Biologen dafür Häufigkeit und Entwicklung von 1478 Kakteenarten ermittelt. Nur elf Prozent von diesen waren bisher jemals für eine Rote Liste untersucht worden.
Das traurige Resultat: 31 Prozent der Kakteenarten sind vom Aussterben bedroht. Damit sind sie gefährdeter als Säugetiere und Vögel und stehen auf der Liste der bedrohten Organismengruppen an fünfter Stelle, wie die Forscher berichten. Nur Zikaden, Amphibien, Korallen und Koniferen sind noch stärker bedroht. “Die Resultate dieser Erhebung sind ein echter Schock für uns”, sagt Barbara Goettsch von der IUCN. “Wir haben nicht erwartet, dass Kakteen so hochgradig gefährdet sind.”
Illegaler Handel schadet am meisten
Die größte Bedrohung für Kakteen sind dabei nicht natürliche Umweltveränderungen oder der Klimawandel – es sind wir Menschen. Und das ganz direkt, denn das illegale Sammeln und der Schmuggel von Kakteen ist bei 47 Prozent aller bedrohten Kakteenarten der Hautgrund für die Gefährdung. Vor allem in Peru, Chile und Mexiko dezimiert der illegale Handel mit Samen und lebenden Kakteenpflanzen die Bestände teilweise dramatisch, wie die Biologen berichten.
“Diese Ergebnisse sind beunruhigend”, meint Inger Andersen, Generaldirektor des IUCN. “Sie bestätigen, dass das Ausmaß des illegalen Handels mit Tieren und Pflanzen viel größer ist als bisher gedacht.” Demnach sind nicht nur bekannte Tierarten wie Nashörner, Elefanten oder Affen von Wilderei und Schmuggel betroffen, sondern auch viele Pflanzen und Tiere, die bisher als weniger betroffen galten.





