Um herauszufinden, ob die Kängurus ihren Schwanz tatsächlich als vollwertiges fünftes Bein einsetzen und entsprechend belasten, führten die Forscher Tests auf einer Messplatte durch: Sie ließen fünf Rote Kängurus (Macropus rufus) nacheinander über eine Plattform hoppeln, in die Kraftmessgeräte eingebaut waren. So konnten sie ermitteln, wie viel Kraft und Schub von den jeweiligen Gliedmaßen in den verschiedenen Schrittphasen ausgeübt wurden. Gleichzeitig filmten sie die Bewegungsabfolge mit Hochgeschwindigkeits-Kameras.
Schub nach vorn
“Bisher dachte man, der Schwanz dient beim ‘fünfbeinigen’ Gehen nur als Stütze für das Körpergewicht”, erklären O’Connor und seine Kollegen. Tatsächlich ruhen beim Hoppeln bis zu 14 Prozent des Gewichts auf ihm. Doch die Messungen enthüllten eine sehr viel wichtigere Rolle des Schwanzes: Er sorgt für Schub. “Am vielleicht erstaunlichsten war die Beteiligung des Schwanzes an der Vorwärtsbewegung: Er erzeugt eine positive mechanische Kraft, die den Körper hebt und vorwärts beschleunigt”, so die Forscher. Nach den Hinterbeinen ist der Schwanz damit der zweitwichtigste Antrieb der Kängurus im Fünfbeiner-Gang. Wie die Forscher ausrechneten, leistet er dabei genauso viel Arbeit pro Kilogramm Körpergewicht, wie das Bein eines Menschen, wenn dieser mit gleicher Geschwindigkeit geht. “Der Schwanz hat biomechanisch damit die gleiche Funktion wie ein Bein”, konstatieren die Wissenschaftler.
Aber warum hat das Känguru überhaupt diesen für einen Vierbeiner ungewöhnlichen “Fünfbeiner”-Gang entwickelt? Andere springende Tiere wie Kaninchen hoppeln ja auch ohne Stützschwanz. Nach Ansicht der Forscher ist dies eine Frage der Effektivität: Der kräftige Schwanz und die ungleich langen Vorder- und Hinterbeine haben die Kängurus primär zum Springen entwickelt, der Schwanz hält dabei die Balance. “Aber die Kängurus verschwenden diese biomechanische Ressource nicht und nutzen diesen muskelbepackten Anhang beim Hoppeln als zusätzliches Bein”, so die Forscher.





