Sie dominierten über mehr als 150 Millionen Jahre hinweg die Erde und brachten viele unterschiedliche Spezies hervor – dennoch erscheint das Reich der Dinosaurier vergleichsweise artenarm. Vor allem gab es auffallend wenige Vertreter mit einem Gewicht unter 60 Kilogramm. Dies unterscheidet sich von den Mustern der heutigen Tierwelt: Da sich kleine und mittelgroße Tiere oft besonders gut an unterschiedliche ökologische Nischen anpassen können, haben sie typischerweise die höchste Vielfalt in den Ökosystemen hervorgebracht. Sie decken dabei auch meist das ganze Spektrum von Größenordnungen ab. Doch bei den Dinosauriern war das nicht der Fall. “Selbst unter Berücksichtigung von möglichen Verzerrungen durch mangelnde Fossilienfunde zeichnet sich ab, dass es unterm Strich eher wenige Dinosaurierarten gab”, sagt Felisa Smith University of New Mexico in Albuquerque.
Geringer Artenvielfalt auf der Spur
In ihrer Studie sind Smith und ihre Kollegen deshalb nun systematisch der Frage nachgegangen, was es mit der eher geringen Artenvielfalt bei den Dinosauriern auf sich hatte. Sie analysierten dazu zunächst Daten hunderter Dinosaurierspezies von 43 Fundorten auf der ganzen Welt. Die Fossilien stammten dabei aus der Jura- und Kreidezeit mit einer gesamten Zeitspanne von 136 Millionen Jahren. Die Paläontologen kategorisierten die Tiere nach ihrer Ernährungsweise sowie der Körpergröße – sie analysierten dabei gezielt die Anteile an kleinen, mittleren und großen Dinosaurierspezies in jedem der einstigen Ökosysteme.
So konnten sie zunächst grundlegend verdeutlichen, dass die vergleichsweise geringe Gesamtartenvielfalt bei den Dinosauriern vor allem auf den Mangel an eher kleineren Spezies bei den Raubsauriern zurückzuführen ist. Im Detail zeichnete sich dabei ab: „In den damals typischen Ökosystemen mit sehr großen Raubsaurierarten an der Spitze klaffte diese Lücke besonders deutlich – es gab auffallend wenige fleischfressende Dinosaurierspezies mit einem Gewicht zwischen 100 und 1000 Kilogramm“, sagt Erstautorin Katlin Schroeder von der University of New Mexico.
Anschließend gingen die Wissenschaftler gezielt einem möglichen Erklärungsansatz für diese Lücke nach: “Wir überprüften die Idee, dass die Jungtiere großer Raubsaurier die Rolle mehrerer Arten übernommen haben, während sie heranwuchsen, was die Anzahl der Spezies, die in einem Ökosystem koexistieren konnten, eingeschränkt haben könnte”, sagt Schroeder. Der Hintergrund: Da Dinosaurier aus Eiern schlüpften, kamen auch Riesen wie T. rex zwangsläufig klein zur Welt – etwa so groß wie Hauskatzen. Das bedeutete, dass sie viele Größenstadien durchliefen, bis sie die Ausmaße eines Stadtbusses erreichten und bis zu acht Tonnen wogen. Paläontologen vermuten schon lange, dass sie dabei ihr Verhalten und ihre Beutetiere veränderten. Dafür sprechen auch Befunde, nach denen sich die Merkmale der Schädel vieler großer Raubsaurier im Verlauf des Heranwachsens auffallend stark veränderten.





