Britische Forscher haben eine Möglichkeit gefunden, embryonale Strammzellen aus unbefruchteten menschlichen Eizellen zu gewinnen: Sie behandeln die Keimzellen mit einem bestimmten Eiweiß, das ihnen das Eindringen einer Samenzelle vorgaukelt. Daraufhin beginnen sich die Eizellen zu teilen, bis sie nach vier bis fünf Tagen das Stadium erreichen, in dem die vielseitigen embryonalen Stammzellen entnommen werden können. Nach Angaben der Forscher um Karl Swann von der Universität von Wales in Cardiff handelt es sich bei den wachsenden Zellhaufen nicht um potenziell lebensfähige Embryonen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausg. vom 4. Dezember, S. 17).
Schon in früheren Versuchen hatte Swann nachgewiesen, dass das von Spermazellen produzierte Protein die Eizellen von Mäusen dazu bringen kann, sich zu teilen. In der neuen Studie injizierten er und sein Team das Eiweiß in menschliche Eizellen, die nach dieser Scheinbefruchtung ebenfalls zu wachsen begannen. Männliches Erbgut war dabei für das Wachstum des Zellhaufens nicht notwendig, da jede Eizelle bereits zwei Chromosomensätze besitzt. Nach einer erfolgreichen Befruchtung wird normalerweise einer dieser Sätze ausgestoßen und durch den männlichen ersetzt, ein Vorgang, den Swann und seine Kollegen mithilfe einer chemischen Behandlung bei den scheinbefruchteten Eizellen unterdrückten. Die Eizellen entwickelten sich bis zum so genannten Blastozytenstadium, in dem die Zellhaufen aus etwa 100 Zellen bestehen.
In diesem Stadium werden für die Gewinnung von embryonalen Stammzellen die innersten Zellen des Zellhaufens entnommen und im Labor kultiviert. Da die restlichen Zellen bei diesem Prozedere absterben, ist die Gewinnung embryonaler Stammzellen aus lebensfähigen Embryonen in vielen Ländern verboten. Swann hofft, mit seinem Ansatz nun eine ethisch weniger umstrittene Alternative geschaffen zu haben. Andere Wissenschaftler sind jedoch vorsichtiger, berichtet der “New Scientist”. Ihre Forderung: Es müsse erst zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass sich die unbefruchteten Blastozyten wirklich nicht weiterentwickeln können, bevor die Methode als moralisch unbedenklich eingestuft werden könne.
Der Originalartikel ist in der Fachzeitschrift Reproduction (Bd. 128, S. 697) erschienen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





