Als „Suppenschildkröten“ wurden sie gejagt, bis sie fast ausgestorben waren, heute sind sie durch den Klimawandel und die Zerstörung ihres Lebensraums bedroht: Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas) gelten als stark gefährdet und stehen unter internationalem Schutz. Wichtig für Bemühungen zur Erhaltung der Art sind Informationen darüber, wie die Schildkröten leben, wandern und sich vermehren. Doch diese Daten sind lückenhaft. Vor allem über die frühe Lebensphase der Meerestiere ist wenig bekannt. Ein Grund dafür: Da die jungen Schildkröten schnell wachsen, ist es schwierig, Satellitentracker an ihrem Panzer zu befestigen, die lange daran haften bleiben, aber nicht das Wachstum oder sonstige Wohlbefinden des Tieres beeinträchtigen. Bisherige Erkenntnisse beruhen deshalb vorwiegend auf kurzfristigen Beobachtungen und Sichtungen.
Neues Trackingverfahren
Ein Team um Katherine Mansfield von der University of Central Florida in Orlando hat nun ein Trackingverfahren eigens für junge Grüne Meeresschildkröten entwickelt und damit 21 Individuen bis zu 152 Tage lang verfolgt. Alle Schildkröten wurden unmittelbar nach dem Schlüpfen an einem Strand in Florida gesammelt und drei bis neun Monate lang in großen Tanks im Meereslabor der Universität aufgezogen, bis sie mindestens 300 Gramm wogen. Dann statteten die Forscher sie mit solarbetriebenen Satellitentrackern aus und setzten sie nahe ihres Geburtsstrandes im Golfstrom aus.
Erfahrung mit dem Tracking von Meeresschildkröten hatten Mansfield und Kollegen schon durch frühere Studien mit Unechten Karettschildkröten (Caretta Caretta), die sie ebenfalls als Jungtiere per Satellit beobachtet hatten. „Der Panzer der Grünen Meeresschildkröte ist anders aufgebaut und hat eine wachsartige Oberfläche, sodass wir für die Anbringung des Trackers eine neue Methode entwickeln mussten“, berichten die Forscher. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, bei denen die Tracker nach wenigen Tagen wieder abfielen, fanden die Forscher eine Lösung: Bevor sie den Spezialkleber auftrugen, schmirgelten sie die wachsartige Schicht auf dem Panzer leicht ab. Erst dann befestigten sie den Satellitentracker. Diese Methode kann den Forschern zufolge auch in Zukunft dabei helfen, Grüne Meeresschildkröten über mehrere Monate hinweg zu beobachten.
Sargassosee als Aufzuchthabitat
„Unsere Daten zeigen, dass das Verhalten der Grünen Meeresschildkröten komplexer ist als bisher angenommen“, berichten Mansfield und Kollegen. Während man früher davon ausging, dass sich die Tiere vorwiegend passiv treiben lassen, zeigen die neuen Daten eindeutig, dass sich die Tiere aktiv orientierten und aus großen Strömungen wie dem Golfstrom herausschwimmen. Ein besonders beliebtes Ziel ist offenbar die Sargassosee, ein Meeresgebiet im Atlantik östlich von Florida, das seinen Namen von den dort reichlich vorkommenden Braunalgen der Gattung Sargassum hat. „Zwei Drittel unserer nachverfolgten Grünen Meeresschildkröten befanden sich in den Gewässern der Sargassosee, als ihre Tags aufhörten zu senden“, berichten die Forscher. „Das deutet darauf hin, dass viele atlantische Grüne Meeresschildkröten die Sargassosee als Aufzuchthabitat nutzen.“





