Feierabend heißt nicht unbedingt Feierabend. Oft bedeutet er: Einkaufen, die Kinder vom Training oder Musikunterricht abholen, und Kino- und Restaurantbesuche sollen ja auch nicht zu kurz kommen. Wer schafft es bei einem solch vollgepackten Terminplan schon, das wöchentliche Sport-Minimum von 150 Minuten auf fünf Einheiten zu verteilen? So wie es von Sportmedizinern und Kardiologen empfohlen wird, um Herz und Kreislauf gesund zu halten. Doch es gibt Licht am Tunnelende der Gestressten. Laut einer US-Studie profitieren nämlich die „Weekend-Warriors“, die sich die 150 Minuten geballt am Wochenende geben, mindestens genauso von ihrem Sport.
Das Forscherteam des Massachusetts General Hospitals in Boston hat knapp 90.000 Männer und Frauen im Alter von durchschnittlich 62 Jahren mit tragbaren Bewegungssensoren ausgestattet, um zweieinhalb Jahre lang den Umfang und die Verteilung ihrer Sportaktivitäten zu messen. Danach wurden sie in drei Gruppen eingeteilt: jene, die über 150 Minuten wöchentlich aktiv werden und zwar überwiegend am Wochenende; jene, die diesen Minutensoll verteilt über die Woche erfüllen; und die Kontrollgruppe der Couch-Potatoes, die weder geballt noch verteilt auf 2,5 Stunden Sport kommen.
Auch „Weekend-Warriors“
leben gesund
Es zeigte sich: Wenig bis gar keine körperlichen Aktivitäten treibt das Risiko für Herzinsuffizienz, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich nach oben. Das war zu erwarten. Doch um sich vor diesen Erkrankungen zu schützen, ist es offenbar mehr oder weniger unerheblich, wie man seinen Sport auf die Woche verteilt. So verringerte sich das Infarktrisiko bei den Weekend-Warriors „nur“ um 27 gegenüber 35 Prozent bei den Verteilt-Aktiven. Doch dafür schnitten sie bei der Herzinsuffizienz (38 versus 36 Prozent) und dem Schlaganfall (21 versus 17 Prozent) etwas besser ab.
„Wer es schafft, die 150 Minuten an ein bis zwei Tagen in der Woche zu erreichen, hat einen ähnlichen Nutzen für sein Herz-Kreislauf-System wie jemand, der das Training gleichmäßiger über die Woche verteilen kann“, resümiert Studienautor und Kardiologe Shaan Khurshid. Was für viele Gesundheitssportler eine tröstliche Nachricht sein dürfte. Denn nicht nur Manager und andere Menschen mit Karriere-Intention werden oft als Weekend-Warrior aktiv, sondern auch die schlechter Verdienenden und Alleinerziehenden, die in den Werktagen ebenfalls zu stark eingespannt sind, als dass sie dort für dicht aufeinander folgende Sportaktivitäten sorgen können.
Noch gesünder ist es allerdings, die sportlichen Aktivitäten auf mehrere Male die Woche zu verteilen, so dass man in der Summe auf mehr als 150 Minuten pro Woche kommt. Beispielsweise in Gestalt von 3 gleichmäßig verteilten Einheiten von 45 Minuten. Denn der Körper kann sich den Trainingsbelastungen besser anpassen und seine Leistungsfähigkeit steigern, wenn die Pausen zwischen den Bewegungseinheiten nicht zu lang sind. Die Sportwissenschaft spricht von Hyperkompensation: Die Energieressourcen des Körpers werden während der sportlichen Aktivität geräubert, um danach für eine Weile – in Erwartung des nächsten Belastungsreizes – in noch größerem Umfang wieder aufgebaut zu werden. Wenn dann in dieser Phase ein abermaliger Trainingsreiz kommt, wird nochmals geräubert und wiederaufgefüllt, nur dass eben das Ausgangsniveau höher ist als vorher. Auf diese Weise geht es mit der Leistungsfähigkeit und damit auch den gesundheitlichen Effekten Stück für Stück bergauf.





