Furchterregend und gigantisch: Mit 15 Meter Länge und einem Gewicht von etwa 20 Tonnen war Spinosaurus aegyptiacus vermutlich der größte Raubsaurier aller Zeiten. Die Bühne der Paläontologie betrat der skurrile Dino der Kreidezeit bereits im Jahr 1912. Doch das erste bekannte Fossil aus Ägypten ging für die moderne Forschung verloren: Der in München gelagerte Fund wurde 1944 bei einem Bombengriff völlig vernichtet. Anschließend warfen nur wenige Teilfunde Licht auf die Merkmale dieses spektakulären und seltsam gebauten Dinosauriers. Das änderte sich erst 2014: Paläontologen präsentierten ein sehr gut erhaltenes Fossil von Spinosaurus aus Marokko.
Ein schnell schwimmender Jäger?
Den Untersuchungsergebnissen zufolge besaß das Tier Merkmale, die zumindest eine semiaquatische Lebensweise nahelegten. Doch wie und wovon sich der Spinosaurus genau ernährt haben könnte, blieb unklar. Man ging zunächst nicht davon aus, dass die Tiere hauptsächlich schwimmend unterwegs waren, sondern eher durchs seichte Wasser liefen. Doch Anfang 2020 brachte dann eine Untersuchung des Schwanzes frischen Wind in die Diskussion. Aus den Merkmalen ging hervor, dass es sich um einen Ruderschwanz gehandelt hat, der für einen effektiven Antrieb im Wasser sorgen konnte. Die Wissenschaftler schlossen aus den Ergebnissen dieser Studie, dass Spinosaurus „ein hochspezialisierter aquatischer Räuber war, der seine Beute im Wasser schwimmend verfolgte und fing“.
Doch wie David Hone von der Queen Mary University of London und Tom Holtz von der University of Maryland in College Park betonen, beweist ein ans Schwimmen angepasster Schwanz nicht, dass Spinosaurus tatsächlich ein aquatischer Verfolgungsjäger war. Denn einige heutige Tierarten schwimmen auch mithilfe eines derartigen Schwanzes, ohne ihn für Verfolgungsjagden zu nutzen. Die beiden Paläontologen haben unter Berücksichtigung der neuen Daten nun ein neues Gutachten zum vermuteten Verhalten des Tieres erstellt. Sie verglichen dazu die Merkmale von Spinosaurus mit denen von anderen Dinosaurierarten und verschiedenen heutigen Tieren, die an Land oder im Wasser leben und jagen. Sie erstellten dabei eine systematische Liste von Aspekten der verschiedenen Körperteile und Merkmale von Spinosaurus, die zu einer Lebensweise als aquatischer Jäger passen oder nicht.
Zu schwerfällig
Wie sie berichten, zeichnete sich ab: Es gibt mehrere Merkmale, die nicht zu dem Konzept des aquatischen Verfolgungsräubers zu passen scheinen. Im Gegensatz dazu widersprechen aber keine Aspekte einer Lebensweise als Generalist – verschiedene Hinweise sprechen sogar deutlich für ein solches Verhalten, berichten die Wissenschaftler. „Wir haben versucht, die uns zur Verfügung stehenden Beweise zu nutzen, um seine Lebensweise bestmöglich zu beschreiben. Und was wir gefunden haben, entsprach nicht den Attributen, die man bei einem aquatischen Verfolgungsjäger in der Art eines Otters, Seelöwen oder Plesiosauriers erwarten würde”, sagt Holtz.





