Für Kotelett, Wurst und Co werden in Deutschland jedes Jahr Millionen Schweine gemästet und geschlachtet. Der Großteil von ihnen stammt dabei aus konventioneller Haltung. Das bedeutet, dass die Tiere meist in engen Ställen ohne Einstreu leben, keinen Auslauf haben und kaum Abwechslung. Damit sie sich nicht gegenseitig verletzen, werden den Schweinen meist die Schwänze kupiert und teilweise sogar die Zähne abgeschliffen.
Schon lange steht die konventionelle Schweinemast deshalb in der Kritik. Zwar sollen freiwillige Label wie die “Tierwohl”-Initiative Abhilfe schaffen und die Haltungsbedingungen verbessern. Doch die Praxis sieht noch immer meist anders aus, wie von Greenpeace akquiriertes Bildmaterial aus deutschen Tierställen belegt: Schweine, die zentimetertief in ihrem eigenen Kot stehen, die zum Teil blutige Verletzungen tragen, mit deutlichen Verhaltensstörungen wie Stangenbeißen, Leerkauen oder dem trauernden Hundesitz. Viele Tiere leiden an Klauen- und Gelenkerkrankungen sowie Herz-Kreislauf- und Lungenkrankheiten.
“Verstößt gegen das Tierschutzgesetz”
Dass diese Tierhaltung nicht nur grausam ist, sondern auch klar gegen das deutsche Tierschutzgesetz und sogar die Verfassung verstößt, belegt nun ein juristisches Gutachten im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace. In diesem legen die Rechtsanwälte dar, dass die zurzeit zugelassenen Haltungsbedingungen das im Grundgesetz festgehaltene Staatsziel Tierschutz missachten.
Die Anwälte halten es aus Rechtsgründen für zwingend geboten, die zuständige Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutzV) zu ändern. Denn danach müsse jeder Halter dafür sorgen, dass die Tiere sich artgemäß bewegen können und nicht leiden müssen. Das aber sei in der konventionellen Schweinemast nicht der Fall. “Die in §§ 21-30 TierSchNutztV zugelassene Haltung von Mastschweinen wird der Art und den Bedürfnissen der Schweine nicht gerecht und verstößt damit gegen die in § 2 Nr. 1 TierSchG verankerte Pflicht zu einer angemessenen Ernährung, Pflege und verhaltensgerechten Unterbringung”, heißt es unter anderem im Gutachten.
In anderen Ländern geht es auch
“Das Bundeslandwirtschaftsministerium muss die Haltungsvorschriften dringend verschärfen und das Leiden in den Ställen beenden”, sagt Stephanie Töwe, Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin. “Die Haltung muss den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden – nicht die Tiere den Haltungsbedingungen.” Das dies möglich ist, zeige das Beispiel anderer Länder, beispielsweise Schweden, der Schweiz und Österreich. Dort fordert der Staat deutlich bessere Ausstattungen der Stallanlagen bei Tageslicht, Stallaufteilung, Spiel- und Wühlmaterial, Bodenbeschaffung und Kühlungsmöglichkeiten.





