Die Banane gehört bei uns mit jährlich etwa 15 Kilogramm pro Kopf zu den am meisten verzehrten Früchten. Ihre robuste Schale, die angenehme Süße sowie ihre sättigende Wirkung haben sie in den Industrienationen zu einem beliebten Snack gemacht. Allein nach Deutschland werden jährlich über eine Millionen Tonnen Bananen importiert – vor allem aus Tropengebieten wie Ecuador, Kolumbien und Costa Rica, wo sie als Exportfrucht einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellt.
“Biofakt” statt Naturprodukt
Aber ist die Banane, wie wir sie bei uns kaufen können, wirklich noch ein Naturprodukt? Genau dieser Frage sind jetzt Wissenschaftler um Linda Hering von der Technischen Universität Berlin auf den Grund gegangen. Dafür untersuchten sie die karibische Banane in deutschen Supermärkten und wollten herausfinden, inwieweit die gelbe Frucht und ihr Werdegang inzwischen vom Menschen geprägt ist. Ihr Ergebnis: Die heute bei uns zu kaufende Banane ist das Ergebnis des menschlichen Handelns. Sie ist ein nach den Wünschen des Menschen technisch gestaltetes Biofakt. „Der Begriff Biofakt leitet sich ab aus dem Lateinischen bios für Leben und facere für machen”, erklärt Hering. “Die Banane hat zwar noch einen lebendigen, biologischen Anteil, aber der überwiegende Teil von dem, was unsere Super- und Biomarkt-Banane ausmacht, ist vom Menschen gemacht.”.
Dafür spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. „Dass aus der Banane ein Biofakt wurde, ist das Ergebnis der vielfachen technischen Einflussnahme des Menschen an vielen unterschiedlichen Orten“, sagt Hering. „Der Anbauort, der EU-Binnenmarkt mit seinen Verordnungen, die Anforderungen der Logistik und der Handel formen die Banane in ihrer Beschaffenheit, ihrer Materialität.“ Der erste Faktor, der die gelbe Frucht bestimmt, ist der Anbau. Weil sie meist in Monokultur angebaut wird, muss die Banane sehr robust sein, denn diese Anbauform ist für Schädlings- und Krankheitsbefall wie Pilze besonders anfällig. Ebenso muss die Banane resistent genug für den weiten Transport und die Lagerung sein.
Nach unseren Ansprüchen geformt
„Die in Europa angebotenen Bananen wachsen in Mittelamerika und in der Karibik, also vom Verkaufsort etwa 8000 Kilometer entfernt, da sie in Europa – abgesehen von Ausnahmen wie der Inseln Madeira und den Kanaren – nicht zu kultivieren sind“, erklärt Hering. „Damit das leicht verderbliche Obst in den Supermärkten Deutschlands und Europas verkauft werden kann, sind viele Voraussetzungen zu erfüllen.“ So geben unter anderem die Standards von Unternehmen und Abnehmerländern vor, welche Sorte auf den Plantagen am besten für den langen Transport und die Lagerung geeignet ist. Beispiel dafür sind EU-Regelungen wie die Verordnung, dass eine in die Europäische Union eingeführte Banane mindestens 14 Zentimeter lang und mindestens 2,7 Zentimeter dick sein muss. Solche Anforderungen prägten die Sortenauswahl so sehr, dass auf den Plantagen weltweit heute hauptsächlich die Sorte Cavendish angebaut wird und es in Deutschland zum größten Teil nur noch diese Standard-Sorte zu kaufen gibt.





