2012 war für die USA das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 117 Jahren. Nicht zuletzt Texas, der Bundesstaat der Ölförderer und Klimaskeptiker, war betroffen. Hat die Hitze zu einer Einsicht geführt?
Das kann ich mir nicht vorstellen. Das Problem ist, dass das Thema Klimawandel in den USA hochgradig ideologisch aufgeladen ist. Und der Aufstieg der Tea-Party innerhalb der Republikaner hat zu einer weiteren Ideologisierung geführt. Nur wer in der Partei das ganze Klimathema weiterhin für übertrieben hält, besteht den Lackmustest als echter Republikaner. Gleichwohl kann man nicht prognostizieren, wie sich die politische Diskussion in den nächsten Jahren verändert wird. Ich habe aber eher die Befürchtung, dass in den USA künftig andere Optionen diskutiert werden: Es geht dann sicher nicht um Anpassung; damit bewältigt man ohnehin nicht das Problem, sondern nur die Folgen. Man wird vielmehr über Geo-Engineering sprechen, also über die technische Manipulation des Klimas. So muss man nicht über das eigene, verschwenderische Energiesystem reden.
Nach einer Einschätzung der Internationalen Energieagentur könnte die USA in 20 Jahren unabhängig von Erdöl und Gas aus dem Ausland sein. Das Land wäre zumindest zeitweilig der größte Ölproduzent der Welt. Was bedeutet das für den Klimaschutz?
An diesem Trend zeigt sich, dass in den USA im Zweifelsfall die Energiesicherheit mehr zählt als der Klimaschutz. Wenn die USA in großem Maße in die heimische Ölförderung einsteigen, dann fördert das auch nicht die Bereitschaft, sich anspruchsvolle Reduktionsziele vorzunehmen.
Bei Klimaverhandlungen argumentiert Washington gerne: Solange sich China nicht bewegt, bewegen wir uns auch nicht. Wie ist Chinas Politik aber überhaupt einzuschätzen? Ist sie nicht janusköpfig: Denn einerseits geht in China jeden zweiten Tag ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Andererseits werden alternative Energien massiv ausgebaut. Ist China nun ein bad guy oder ein good guy?
Die machen eben beides. Sie bauen erneuerbare Energien massiv aus, und das ist ein positives Zeichen. Das verändert vor allem global den Status der Erneuerbaren. Denn Wind- und Solartechnik werden damit in einer Masse produziert, die sich sehr positiv auf die Preisentwicklung auswirkt. Das ist das eine. Aber die Kohlekraftwerke, wie viele es letztlich auch immer sein mögen, bedeutet eben insgesamt, dass die chinesische Energieproduktion nicht sauberer wird. Beim Klimaschutz kommt es am Ende jedoch nicht darauf an, wie viel Prozent die Erneuerbaren an der Stromerzeugung haben, sondern schlicht: Wie hoch sind die Gesamtemissionen? Und die steigen in China nach wie vor. Trotz der positiven Anzeichen ist eine Trendwende bislang nicht zu erkennen.


Seit 2010 ist das Zwei-Grad-Ziel von der Weltgemeinschaft anerkannt: Mehr als zwei Grad soll die Erderwärmung nicht steigen. Es fehlt aber an verbindlichen Maßnahmen zur Reduktion von klimaschädlichen Gasen. Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass in den kommenden Jahren ein Abkommen verabschiedet wird, in dem sich alle Staaten auf anspruchsvolle und verbindliche Minderungsziele verständigen?

Zum Gesprächspartner
