Proteine in Membranen können unter Einfluss eines Magnetfelds selbst wie kleine Magnete wirken, sagen israelische Chemiker. Damit könnte die immer wieder vertretene These untermauert werden, schwache statische Magnetfelder beeinflussten die Stoffwechselvorgänge in lebenden Zellen. Das meldet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 6. April) und bezieht sich dabei auf einen Bericht in der Zeitschrift “Angewandte Chemie” (Ausg. 41, S. 761).
Als primitives Modell einer Membrane hatten die Wissenschaftler um Ron Naaman vom Weizmann-Institut eine Fläche eng gepackter Polypetid-Moleküle untersucht. Diese Moleküle sind wie lange Spiralen geformt und winden sich entweder im oder gegen den Uhrzeigersinn. Nach einigen Stunden unter einem externen Magnetfeld verformten sich die künstlichen Membranen. Zur Überraschung hing die Richtung der Verformung jedoch vom Drehsinn der Polypetide ab. Naaman vermutet nun als Grund, dass die Membranen einen eigenen Magnetismus entwickeln: An den Ketten der Polypetide, die an einem Ende negativ, am anderen positiv geladen sind, bilde sich ein elektrischer Strom, so Naaman, der wiederum ein schwaches magnetisches Feld induziere.
Biologen und Biophysiker äußern sich im “New Scientist” skeptisch zu der Vermutung der israelischen Forscher. Es sei “sehr spekulativ” anzunehmen, aus den Messungen auf Effekte in lebenden Zellen zu schließen, sagt etwa der amerikanische Biologe Jim Valles von der Brown University in Rhode Island.
Ulrich Dewald





