Die Einschleppung und Einwanderung gebietsfremder Tierarten verursacht weltweit ökologische Probleme und oft auch wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. Solche Bioinvasoren können heimische Spezies verdrängen und Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Unter den problematischen Neuzugängen bei uns in Deutschland gehören dabei auch exotische Reptilien, die ursprünglich aus dem Tierhandel stammen und von Menschen ausgesetzt wurden.
Schildkröten als invasive Art
Als eine der schlimmsten invasiven Reptilienarten weltweit gilt die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta). Diese Süßwasser-Schildkröte wurde in den 1980er und 1990er Jahren oft als Haustier gehalten und importiert – auch nach Europa. In vielen Regionen konnte sie sich dadurch auch im Freiland etablieren und stark ausbreiten. Um einen weiteren Vormarsch zu verhindern, wurde der Import dieser Schildkrötenart 1997 von der EU verboten, seit 2016 ist auch der Verkauf hier geborener Exemplare untersagt. Bisher war jedoch unklar, ob sich diese invasive Schildkröte auch in Deutschland bereits etablieren konnte – eigentlich gilt das Klima hierzulande als zu kühl.
Um Klarheit zu schaffen, haben nun Benno Tietz von der Universität Freiburg und seine Kollegen drei gebietsfremde Süßwasser-Schildkrötenarten näher untersucht, die in Seen in der Nähe von Freiburg und Kehl schon mehrfach gesichtet worden waren. Neben der Buchstaben-Schmuckschildkröte gehören die Gewöhnliche Schmuckschildkröte (Pseudemys concinna) und die Falsche Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica) dazu. Auch sie stammen ursprünglich aus Nordamerika und sind bei Tierhaltern beliebt. „Wir wollten herausfinden, ob die Schildkrötenarten als invasiv anzusehen sind – also ob sie sich hier selbständig und regelmäßig in der Natur fortpflanzen“, erläutert Seniorautorin Melita Vamberger von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden.
Fortpflanzung trotz kühlem Klima
Für ihre Studie fingen die Forschenden knapp 200 Schildkröten vorübergehend in Köderfallen ein, entnahmen ihnen Blut und Gewebeproben und entließen sie dann wieder in die Freiheit. Mithilfe von DNA-Analysen untersuchten sie dann die Verwandtschaftsverhältnisse der Exemplare und konnten in Verbindung mit dem Alter Rückschlüsse darauf ziehen, ob die Tiere aus der Gefangenschaft stammten oder sich im Freiland selbst vermehrt hatten. Die Analysen ergaben, dass sich alle drei invasiven Arten in den Gewässern fortgepflanzt haben, sie haben sich demnach bereits in Deutschland etabliert. „Für alle drei Arten konnten wir das nun erstmals zeigen: Sie sind in Baden-Württemberg heimisch geworden. Das ist der erste Nachweis erfolgreicher Fortpflanzung nicht-heimischer Schildkrötenarten in Deutschland”, sagt Vamberger.





