Der Mensch schadet den Ökosystemen der Welt bekanntlich in vielschichtiger Weise – dabei bringt er sie auch buchstäblich durcheinander: Viele Tier- und Pflanzenarten werden durch die globalen Aktivitäten von einem Ort zum anderen verschleppt – in einigen Fällen mit problematischen Folgen. Denn manchmal landeten die Fremdlinge gleichsam im Paradies – durch das Fehlen von Konkurrenten oder Feinden sowie üppige Nahrungsquellen können sie sich stark vermehren. Solche invasiven Arten können dann an den heimischen Ökosystemen große Schäden verursachen. Eingeschleppte Kleinräuber gelten dabei als besonders problematisch. Denn neben ihrem Appetit auf teilweise bedrohte Arten gelten sie außerdem als potenzielle Überträger von Krankheiten, die dem Menschen gefährlich werden können.
In Deutschland steht dabei momentan vor allem der nordamerikanische Waschbär im Fokus. Er breitet sich derzeit nahezu unkontrolliert aus und die Bestände werden dichter. Ebenfalls auf dem Vormarsch sind der ursprünglich aus Ostasien stammende Marderhund sowie der nordamerikanische Mink.

„Im Projekt ZOWIAC untersuchen wir daher, wie sich der Waschbär, aber auch der Marderhund und der Mink, auf bedrohte einheimische Arten und die jeweiligen Ökosysteme auswirken und mit welchen Parasiten und anderen Krankheiten auslösenden Erregern sie befallen sind“, sagt Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt. Dabei stützen sich er und seine Kollegen auf Informationen von Forschungseinrichtungen sowie von Tierschutz-, Jagd- und Naturschutzverbänden. „Zudem ist uns aber auch die Einbindung der Bevölkerung sehr wichtig“, so Klimpel.
Ökosystem-Vandalen und Krankheitsüberträger
Wie das Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen berichtet, bestätigten die im Rahmen des Projekts durchgeführten Mageninhaltsanalysen von Waschbären bereits den Verdacht, dass die Kleinräuber heimische Arten erheblich bedrohen. Demnach dienen Rote Liste-Arten, wie beispielsweise die Gelbbauchunke oder die Erdkröte dem Waschbär als Nahrung. Ähnliches gilt auch für den Marderhund: Insgesamt 16 heimische Arten wurden bisher als seine Opfer identifiziert. Neben bedrohten Froscharten schnappt er sich offenbar sogar Feldhasen. Vergleichsweise wenige Informationen gibt es hingegen bisher zum Mink, der sich momentan entlang von Gewässern ausbreitet.






