Die Forscher verbanden den Tieren die Augen, worauf diese mit einem Fluchtreflex reagieren. Wiederholten die Wissenschaftler die Verdunkelung, so lernten die Tiere mit der Zeit, dass die Prozedur gefahrlos ist. Ihr Fluchtreflex erlosch. Die Forscher beobachteten, dass die Krabben viel schneller lernten, wenn sie sich einige Tage in salzigem Wasser befanden. Bernhard Crespi von der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby kann sich vorstellen, dass die meist am Strand lebenden Krabben vor allem bei der Futter- oder Partnersuche im Meer von diesem Intelligenzschub profitieren.
Maldonaldo fand in den Gehirnen der Krabben erhöhte Konzentrationen von Angiotensin. Dieses Protein regelt bei unterschiedlichen Salinitäten den Wassergehalt des Körpers. Die Forscher stießen nicht nur im visuellen Bereich des Gehirns auf Angiotensin, sondern auch dort, wo das Tier Gerüche verarbeitet. Möglicherweise hat das Salzwasser also über die Angiotensin-Produktion weitreichende Wirkung auf die Hirnleistung der Krabben.
Andere Forscher sehen hier jedoch keinen Zusammenhang. Steve Morris von der University of South Australia in Adelaide merkt an, dass Chasmagnathus granultus im Gezeitenbereich der Küsten lebt, wo die Salzkonzentrationen täglich schwanken. Die langen “Badezeiten” der Krabben im Salzwasser in Maldonaldos Experiment seien daher überaus unrealistisch. James McGaugh von der University of Irvine, Kalifornien, weist darauf hin, dass jede pharmakologische Überprüfung der Theorie fehlt. Nur auf diese Weise könne man aber zeigen, dass die erhöhten Angiotensin-Konzentrationen tatsächlich Folge des Salzwasserbades sind. (The Journal of Experimental Biology 203, 3369-3379, 2000)





