Insekten sind für Ökosysteme unverzichtbar und auch die Bestäubung vieler Nutzpflanzen wäre ohne diese tierischen Helfer nicht möglich. Umso beunruhigender sind die Ergebnisse mehrerer Studien, die in den letzten Jahren teils drastische Rückgänge der Insektenzahlen festgestellt haben. In Deutschland hat demnach die Biomasse fliegender Insekten in den letzten 27 Jahren um 76 Prozent abgenommen, die Zahl aller Arthropoden ist einer weiteren Erhebung zufolge in zehn Jahren sogar um 78 Prozent gesunken. “Dennoch bleibt es unklar, ob diese Rückgänge auch über geografische Regionen und Lebensräume hinweg bestehen”, erklären Roel van Klink vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Universität Leipzig und seine Kollegen. Denn Studien aus anderen Ländern und Regionen ergaben teilweise ähnlich starke Insektenverluste, aber auch weniger schwere oder sogar leichte Zunahmen.

Abnahme der Landinsekten um rund ein Prozent pro Jahr
Um mehr Klarheit zu schaffen, haben van Klink und sein internationales Team nun die bisher umfangreichste Metastudie zu diesem Thema durchgeführt. Sie analysierten dafür Daten von 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten, in denen Häufigkeiten sowie Biomasse von Insekten und Spinnen erhoben worden waren. Einige Studien reichten bis ins Jahr 1925 zurück, im Schnitt lag die Studiendauer jedoch bei rund 20 Jahren. Die Forscher werteten die Insektenzahlen getrennt nach Landinsekten und Süßwasserinsekten aus, außerdem erfassten sie die Werte nach Ländern und Regionen getrennt.
Die Auswertung bestätigt, dass die Menge der Insekten auch weltweit zurückgegangen ist – im Schnitt um 0,92 Prozent pro Jahr. Allerdings ist der globale Schwund deutlich geringer als zuvor beispielsweise für die fliegenden Insekten in Deutschland ermittelt. Dennoch sehen die Forscher wenig Grund zur Entwarnung: “0,92 Prozent klingt vielleicht nicht nach viel, aber es bedeutet 24 Prozent weniger Insekten über 30 Jahre und sogar eine Halbierung über 75 Jahre”, erklärt van Klink. “Angesichts der entscheidenden Rolle, die Insekten in Nahrungsnetzen und Ökosystemen spielen, ist ein solcher Rückgang beunruhigend und könnte auch mit anderen Veränderungen wie dem Rückgang der insektenfressenden Vogelpopulationen zusammenhängen.”
Gute Nachrichten gibt es dagegen aus Flüssen, Seen und Tümpeln, denn die Zahl der Insekten, die ihr Leben zeitweise im Wasser verbringen wie Libellen, Wasserläufer und Köcherfliegen, hat im Schnitt um 1,08 Prozent pro Jahr zugenommen, wie die Forscher berichten. Allerdings: Da auch hier die Häufigkeit und nicht die Vielfalt der Insekten ermittelt wurde, sagt dies nichts darüber aus, ob auch die Biodiversität dieser Wasserbewohner zugenommen hat – rein theoretisch könnte auch eine Massenvermehrung von Mückenlarven solche Zunahmen verursachen.





