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Inhaltsstoffe von Kerzen oft unzureichend gekennzeichnet
Erde & Umwelt

Inhaltsstoffe von Kerzen oft unzureichend gekennzeichnet

Jetzt in der Vorweihnachtszeit haben Kerzen Hochsaison. Doch wenn wir in einem Geschäft in Deutschland Kerzen kaufen, werden wir über deren Inhaltsstoffe und Nachhaltigkeit weitestgehend im Dunkeln gelassen. Das zeigt der diesjährige Kerzencheck, den die Deutsche Umwelthilfe vor Beginn der Adventszeit durchgeführt hat. Ob Palmöl, Paraffin und Co enthalten sind und woher diese Rohstoffe stammen, ist für Kunden meist nicht erkennbar. Die Tester fordern daher, transparentere Kennzeichnungen einzuführen.
Autor
Claudia Krapp
05. Dezember 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Im Advent werden besonders viele Kerzen gekauft und angezündet. Kein Wunder, schließlich strahlen sie einen weihnachtlichen Glanz aus und wirken gemütlicher als viele moderne Lichtquellen wie LEDs. Viele Menschen erhellen sich daher die dunkle Jahreszeit mit sanftem Kerzenschein. Im Schnitt verbrennt jeder Deutsche jährlich 1,5 Kilogramm Kerzenmaterial – das entspricht rund 100 Teelichtern. Aber was brennt da eigentlich? Was steckt drin in den Kerzen, wo kommen die Rohstoffe her und wie nachhaltig sind diese? Normalerweise sollten darüber die Aufdrucke auf den Kerzenverpackungen informieren. Denn auch das Kerzenmaterial hat einen ökologischen Fußabdruck und sorgt schon vor dem Abbrennen für Emissionen bei seiner Herstellung. So besteht die Kerzenzutat Paraffin beispielsweise aus raffiniertem Erdöl und ist damit klimaschädlich, Stearin wird oft aus umweltschädlich angebautem Palmöl hergestellt und selbst Sonnenblumen- oder Bienenwachs sind nicht zwingend nachhaltig.

Wie gut diese Inhaltsstoffe gekennzeichnet sind, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer aktuellen Analyse ermittelt. Dafür kauften die Tester zwischen Oktober und November 2025 stichprobenartig Kerzen in je vier Filialen zehn verschiedener Händler in ganz Deutschland, darunter Dekorläden, Supermärkte, Baumärkte und Drogerien. Die erstandenen Teelichter, Stab- und Blockkerzen überprüften sie dann hinsichtlich ihrer Transparenz zu Inhaltsstoffen und deren Nachhaltigkeit.

Kennzeichnung Fehlanzeige

Die Auswertung ergab: 78 Prozent der untersuchten Kerzen wurden ganz ohne Angaben zu den verwendeten Inhaltsstoffen verkauft. Bei der großen Mehrheit der Produkte waren weder Rohstoff noch Zusammensetzung erkennbar, vor allem bei Eigenmarken der Händler. Acht Prozent aller Kerzen waren mit allgemeinen Angaben zu Rohstoffen versehen und 15 Prozent zusätzlich mit den jeweiligen Mengenanteilen. Ob fossiles Paraffin, palmölbasierte Wachse oder andere Öle pflanzlichen oder tierischen Ursprungs enthalten sind, blieb demnach offen – ebenso wie die damit verbundenen Risiken für Klima, Wald und Menschen.

Belastbare Siegel für die Nachhaltigkeit der Rohstoffe gab es noch seltener als Inhaltsangaben. Nur drei Prozent der Verpackungen enthielten überhaupt Nachhaltigkeitssiegel. Darunter identifizierten die Tester aber auch verwirrende Kreationen, die zwar aussehen wie Nachhaltigkeitssiegel, aber weder auf unabhängigen Kriterien noch externen Kontrollen beruhen, wie es beispielsweise das anerkannte RSPO-Zertifikat für nachhaltiges Palmöl tut. Nicht in ihrer Analyse berücksichtigt haben die Tester das RAL-Siegel. Denn das steht zwar für Brennqualität der Kerzen, sagt aber nichts über die Rohstoffe und deren Nachhaltigkeit aus.

Die Schlusslichter im Kerzencheck bildeten die Sortimente von Nanu Nana, Edeka und Bauhaus, wo die Inhaltsstoffe der Kerzen am schlechtesten gekennzeichnet waren – nämlich gar nicht. Eine gemischte Bilanz zogen die Tester für Kerzen von dm, Depot, Rewe, Ikea und Rossmann, bei denen zwischen 65 und 91 Prozent der Waren keine Inhaltsangaben hatten. Am besten schnitten Kerzen aus Filialen der Bio-Supermärkte Alnatura und Denns ab. Auf deren Verpackungen war am transparentesten angegeben, was drin ist und in den meisten Fällen sogar, wie viel davon.

Mehr Transparenz gefordert

Die Deutsche Umwelthilfe hält es angesichts ihrer Befunde für sinnvoll und wichtig, eine Pflicht zur Kennzeichnung der verwendeten Rohstoffe für alle hierzulande verkauften Kerzen einzuführen. „Denn nur wer weiß, was brennt, kann nachhaltiger entscheiden“, schreibt die DUH. Zudem sollte nach Ansicht der Organisation die EU-Entwaldungsverordnung auch auf Kerzenrohstoffe angewendet werden, sodass keine Wälder für die Herstellung von Kerzen gerodet werden dürften. Die Händler müssen nach Ansicht der DUH ihre Lieferketten überprüfen und mit Zulieferern ein Kerzensortiment mit transparenteren Angaben schaffen. Dass dies möglich ist, beweisen die Sortimente von Alnatura und Denns.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V., Kerzencheck 2025

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