Die Hauptwirte des Toxoplasmose-Erregers Toxoplasma gondii sind Katzen. Nur in ihrem Körper kann sich der winzige Parasit sexuell fortpflanzen. Er bildet dabei spezielle Sporen, die sogenannten Oocysten, die mit dem Kot der Katze ausgeschieden werden und so in die Umwelt gelangen. An jedem beliebigen Zeitpunkt scheide rund ein Prozent aller Katzen diese Sporen aus – und das mit einer Rate von 55 Millionen Oocysten pro Tag, erklären E. Fuller Torrey vom Stanley Medical Research Institute in Chevy Chase und Robert Yolken von der Johns Hopkins University in Baltimore. Kommen andere Tiere wie Mäuse, Vögel, Hunde oder auch der Mensch mit diesen Sporen in Kontakt, können sie sich ebenfalls anstecken. “Das kann beim Reinigen des Katzenklos geschehen, beim Gärtnern, beim Spielen im Sandkasten, dem Trinken verunreinigten Wassers oder dem Essen von ungewaschenem Obst oder Gemüse aus dem Garten”, so die Forscher.
Sporen bleiben in Wasser und Boden jahrelang infektiös
In ihrer Studie haben Torrey und Yolken ausgewertet, wie hoch das Risiko für Menschen ist, sich über solche Quellen anzustecken. Analysen von Bodenproben aus Gärten, Parks und Sandkästen verschiedener Länder ergaben, dass pro Quadratfuß – das entspricht einer Fläche von 30 mal 30 Zentimetern – zwischen drei und 434 Toxoplasma-Oocysten zu finden sind. Schon eine einzige dieser nicht mit bloßem Auge sichtbaren Sporen reiche aus, um eine Infektion auszulösen, wenn sie in Lunge oder Darm gelange, erklären die Forscher. Hinzu kommt, dass diese Sporen extrem langlebig sind und auch extrem Umweltbedingungen problemlos überdauern. So erwiesen sich Toxoplasma-Sporen bei Laborexperimenten auch nach 18 Monaten im Boden noch als lebensfähig. Oocysten, die in vier Grad kaltem Süß- oder Salzwasser aufbewahrt wurden, blieben sogar noch mehr als vier Jahre infektionsfähig.
Hinzu komme, dass sich Hinweise darauf mehren, dass auch eine scheinbar symptomlos ablaufende Infektion schleichende Spätfolgen verursachen kann, berichten die Wissenschaftler. So deuten Studien darauf hin, dass Menschen mit Antikörpern gegen Toxoplasmose im Blut häufiger an Schizophrenie und rheumatoider Arthritis erkranken. Auch Lerneinbußen und Verhaltensänderungen bei latent infizierten Kindern wurden berichtet. “Die Akkumulation von Toxoplasma gondii Oocysten in Katzenkot könnte ein weitaus größeres Gesundheitsproblem darstellen, als wir glauben”, konstatieren Torrey und Yolken. Man müsse davon ausgehen, dass Kinderspielplätze und im Besonderen Sandkästen hochinfektiös sind – es sei denn, sie werden katzensicher abgedeckt, sobald sie nicht benutzt werden. Auch Gärten seien potenzielle Ansteckungsquellen. Allein die unter einem Fingernagel gesammelte Gartenerde könne im Extremfall bereits 100 Oocysten enthalten. Es sei daher ratsam, bei der Gartenarbeit Handschuhe zu tragen.





