Hepatitis B könnte möglicherweise auf bisher unbekannte Weise übertragen werden: Forscher haben das leberschädigende Virus im Schweiß von Ringkämpfern nachgewiesen und fordern daher eine Pflichtimpfung für alle Kampfsportler.
Selda Bercet-Yücel untersuchte siebzig Sportler, die an der türkischen Meisterschaft im Olympischen Ringen teilnahmen. Bei neun Athleten diagnostizierte sie eine verborgene Form der Viruserkrankung, die so genannte okkulte Hepatitis-B-Infektion, und bei acht von ihnen konnte sie Erbsubstanz des Virus im Schweiß nachweisen.
Obwohl nicht erwiesen ist, dass Hepatitis B tatsächlich über den Schweiß übertragen werden kann, schließen die Forscher diese Möglichkeit zumindest nicht aus. In Sportarten mit Körperkontakt wie etwa Rugby, Boxen oder Ringen sind offene Wunden keine Seltenheit. Über diese oder über Schleimhäute könnten im Schweiß enthaltene Viren möglicherweise übertragen werden, schreiben die Wissenschaftler.
Bei einer anderen Infektionskrankheit, der Immunschwächekrankheit Aids, haben die internationalen Sportverbände für Boxen und Ringen entschieden, künftig alle Athleten regelmäßigen obligatorischen Tests zu unterziehen. In diesen Sportarten sollte auch auf Hepatitis B getestet werden, und die Athleten sollten zu Beginn ihrer Karriere gegen das Virus geimpft werden, schlägt Bercet-Yücel vor. Denn das Hepatitis-B-Virus ist sehr viel leichter übertragbar, da es stabiler ist und im Blut in höheren Konzentrationen vorkommt. Hepatitis B ist die weltweit häufigste Virusinfektion: Über 350 Millionen Menschen sind chronisch mit dem Virus infiziert. Das Virus, gegen das eine Impfung existiert, greift die Leber an und kann Leberzirrhose verursachen.
Selda Berket-Yücel (Celal-Bayar-Universität, Izmir): British Journal of Sports Medicine, DOI: 10.1136/bjsm.2006.032847 ddp/wissenschaft.de ? Fabio Bergamin





