Elefanten können vertraute und fremde Artgenossen an den Erschütterungen unterscheiden, die sie mit ihren Rüsseln im Erdboden erzeugen. Dabei handelt es sich um sehr tiefe, für den Menschen nicht hörbare Schallwellen, die sich über die Erdoberfläche kilometerweit ausbreiten können. So warnen sich die Tiere beispielsweise gegenseitig vor Gefahren. Die Elefanten reagieren jedoch nicht auf alle derartigen Schallwellen gleich, haben nun amerikanische Forscher beobachtet: Sie scheinen erkennen zu können, von wem die Wellen stammen, und reagieren nur dann, wenn die Töne von vertrauten Artgenossen erzeugt werden.
Elefanten benutzen ihren Rüssel, um Töne im Infraschallbereich ? dieser liegt unterhalb der hörbaren Tonhöhen ? zu erzeugen, die sowohl über die Luft als auch durch den Boden übertragen werden. Wahrnehmen können die Tiere die durch den Boden übertragenen Schallwellen mit besonderen Zellen in ihren Beinen und Rüsseln. Schon früher hatten Forscher beobachtet, dass Elefanten über solche Infraschalltöne kommunizieren können.
Um diese Fähigkeit genauer zu untersuchen, nahmen die Forscher nun Warnrufe von Elefanten in Kenia und Namibia auf, mit denen sich die Tiere gegenseitig vor Löwen warnen. Diese wandelten sie in Infraschallwellen um und spielten sie namibischen Elefanten vor, die gerade an einem Wasserloch tranken. Auf die Warnrufe durch namibische Elefanten reagierten diese Tiere durch Erstarren, sich Zusammendrängen und einem schnellen Verlassen des Wasserlochs. Die Schallwellen der kenianischen Elefanten nahmen sie hingegen zwar wahr, reagierten darauf aber kaum. Ebenso ignorierten die Tiere künstlich erzeugte Erschütterungen, die ähnliche Eigenschaften wie die aufgenommenen Schallwellen hatten.
Warum die Elefanten unterschiedlich auf die Schallwellen verschiedener Artgenossen reagieren, wissen die Forscher noch nicht. Sie vermuten jedoch, dass die Tiere nur denjenigen Tönen trauen, die sie bekannten Elefanten zuordnen können. Wahrscheinlich schützen sie sich so davor, auf Scheinwarnungen hereinzufallen, denn jede Flucht kostet die Tiere kostbare Energie.
Science, Onlinedienst Originalarbeit: Caitlin O’Connel-Rodwell (Stanford-Universität, Palo Alto) et al.: Journal of the Acoustical Society of America, August-Ausgabe ddp/wissenschaft.de ? Tobias Becker





