Die chemische Zusammensetzung des Meereswassers schwankte in den letzten 540 Millionen Jahren mit einer Periode von 100 bis 200 Millionen Jahren. Das berichten Tim Lowenstein von der State University of New York in Binghamton und seine Kollegen im Fachmagazin Science. Sie haben winzige, in Kristallen eingeschlossene Tröpfchen des Urmeeres mittels Elektronenmikroskop- und Röntgentechnik untersucht.
Mit ihrem Ergebnis lösen die Forscher einen Widerspruch zwischen der bisherigen Annahme einer unveränderten Meeres-Chemie und Schwankungen in der chemischen Zusammensetzung von marinen Kalksteinablagerungen auf. Die gefundenen Schwankungsperioden decken sich darüber hinaus mit Hypothesen über Schwankungen der Rate, mit der an den mittelozeanischen Rücken neue Ozeankruste gebildet wird. Die an diesen Rücken angesiedelten Hydrothermalquellen, an denen heißes, mit verschiedenen Salzen angereichertes Wasser austritt, könnten die Ursache für die Schwankungen der Meeres-Chemie sein.
Die Forscher konnten zwei Extreme ausmachen: Hohe Werte des Verhältnisses von zweifach positiv geladenen Magnesium- zu zweifach positiv geladenen Calcium-Ionen und gleichzeitig hohe Natrium-Ionenkonzentrationen fanden sie während des späten Präkambriums (vor 544 bis 543 Millionen Jahren), während des Perms (258-251 MJ) und vom Tertiär bis heute (40-0 MJ). Niedrige Werte herrschten während des Kambriums (540-520 MJ), während des Silurs (440-418 MJ) und während der Kreidezeit (124-94 MJ). Der seit der Kreidezeit bis heute kontinuierlich ansteigende Wert fällt zeitlich mit einer Abnahme der Produktionsrate neuer Ozeankruste zusammen.
Axel Tillemans





