Den ersten Teil ihrer Studie führten sie an Eichenkröten (Bufo quercicus) durch. Sie brachten die Tiere mit dem Erreger in Kontakt, vermieden aber durch eine spezielle Wärmebehandlung die Ausbreitung der Infektion. Anschließend setzten sie die Kröten in Terrarien, bei denen die Tiere die Wahl zwischen zwei Kammern hatten: Bei der einen war das Substrat mit dem Pilz kontaminiert, bei der anderen nicht. Ergebnis: Im Gegensatz zu Kontroll-Tieren hopsten die „geimpften” Kröten bevorzugt in den sicheren Bereich des Terrariums. Den Forschern zufolge hat die Vorbehandlung den Kröten also ein Gespür für die Gefahr vermittelt, das zu dem Vermeidungsverhalten führte.
Sogar tote Erreger immunisieren
Für die folgende Teiluntersuchung suchten sich die Forscher zwei Froscharten aus. Sie brachten sie mit dem Erreger in Kontakt, untersuchten den Verlauf der Erkrankung, befreiten die Tieren dann aber wieder von dem Pilz. Diese Prozedur führten sie mehrmals hintereinander durch. Dabei zeigte sich: Bei jedem Durchgang konnte sich der Erreger schlechter auf der Haut ausbreiten. Die Tiere entwickelten demnach Widerstandskraft gegenüber der Infektion, sagen die Forscher. Weitere Untersuchungen zeigten dann: Sogar der Kontakt zu totem Pilzmaterial kann die Ausbreitung nachfolgender Infektionen eindämmen. Das könnte im Rahmen von gezielten Immunisierungen besonders vielversprechend sein. „Da der Chytridpilz das Immunsystem von Amphibien unterdrückt, gingen viele Forscher bisher davon aus, dass eine Immunisierung nicht möglich ist, sagt Rohr. „Unsere Ergebnisse zeigen nun, dass dies doch klappen kann”.
Die Forscher hoffen nun, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen, Strategien im Kampf gegen das Amphibiensterben zu entwickeln. Durch eine gezielte Immunisierung von Tieren, die dann wieder in die Natur entlassen werden, könnte sich eine sogenannte Herdenimmunität entwickeln. Damit bezeichnet man den Effekt, dass immune Tiere innerhalb einer Population auch nicht-immune Individuen schützen, weil der Erreger sich nicht ausbreiten kann. Es ist allerdings noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten ist, um solche Ziele zu erreichen, sagen die Forscher. Sie betonen auch, dass ihre Ergebnisse nicht nur im Zusammenhang mit dem Schutz von Amphibien wichtig seien: Auch andere Tiergruppen sind nämlich von Pilzinfektionen enorm bedroht. Beispielsweise machen spezielle Erreger Bienen, Fledermäusen und Schlangen den Garaus. Die Studie gibt nun Hoffnung, dass auch diese Tierarten von einer gezielten Immunisierung profitieren könnten.





