Weltweit schwindet die biologische Vielfalt. Nicht nur die Zahl der Arten, auch die Populationsgrößen nehmen ab. Besonders folgenschwer ist diese Entwicklung bei Insekten, die unter anderem als Pflanzenbestäuber und Nahrungsquelle für Vögel eine essenzielle Rolle in vielen Ökosystemen spielen. Zu den seit Jahrzehnten am besten untersuchten Insekten gehören in den USA die Schmetterlinge. Doch die professionellen und bürgerwissenschaftlichen Studien basieren oft auf unterschiedlichen Methoden, erforschen nur lokale Regionen oder einzelne Arten. Daher gab es bislang kein umfassendes Bild der US-amerikanischen Schmetterlingspopulationen und ihrer Entwicklung.
Fast alle Schmetterlingsarten nehmen ab
Um das zu ändern, haben Forschende um Collin Edwards von der Washington State University nun fast 77.000 Studien harmonisiert, die zwischen 2000 und 2020 in den USA durchgeführt wurden. Der Datensatz umfasst rund 12,6 Millionen Datenpakete zu einzelnen Schmetterlingssichtungen für 554 Arten. Von 342 Arten waren ausreichend vergleichbare Daten vorhanden, um einen Trend zu ermitteln.

Die Auswertung ergab, dass das Schmetterlingsvorkommen in dieser Zeit um 22 Prozent gesunken ist. Jährlich nahm die landesweite Zahl der Schmetterlinge um durchschnittlich 1,3 Prozent ab. Diese Größenordnung deckt sich mit dem Rückgang der Schmetterlinge und anderer Insekten, den Studien in anderen Ländern der Welt dokumentiert haben, darunter auch in Deutschland. Besonders drastisch war der US-Schmetterlingsschwund im trockenen Südwesten der USA, berichten die Forschenden. Landesweit verzeichneten nur drei Prozent der Schmetterlingsarten in den 20 Jahren einen Zuwachs. Bei allen anderen Arten nahm die Zahl der Individuen ab. „Bei 107 Arten nahm die Populationsgröße um mehr als die Hälfte ab; bei 22 Arten sogar um über 90 Prozent“, so Edwards und seine Kollegen.
Warum bestimmte Schmetterlingsarten besonders stark vom Rückgang betroffen sind, ließ sich anhand der Daten nicht auf Merkmale wie Flügelspannweite oder bevorzugte Wirtspflanzen zurückführen. Treiber des Insektenschwunds sind demnach wahrscheinlich nicht einzelne oder artenspezifische Faktoren, sondern eine komplexe Mischung aus allgemeinen Ursachen, die zu Lebensraumverlust führen, vermutet das Team. Weitere Studien legen nahe, dass es zudem regionale Unterschiede geben könnte. Demnach dezimieren im Mittleren Westen vor allem Pestizide die Schmetterlinge, im Südwesten sind es hingegen eher Dürren und im Nordosten der Klimawandel.





