Ob Tomaten, Gurken, Beeren oder Melonen: Die meisten Gemüse- und Obstsorten gibt es in den Supermärkten Europas inzwischen ganzjährig zu kaufen. Möglich machen dies riesige Gewächshäuser und Plantagen in wärmeren Regionen. Die meisten europäischen Importe kommen aus Südspanien, wo Millionen Tonnen Obst und Gemüse unter weißen Plastikplane gedeihen. Doch wie viele Gewächshäuser gibt es dort eigentlich und wie sieht es auf anderen Kontinenten aus?
Plantagen-Suche per Satellitendaten
Um das herauszufinden, hat ein Forschungsteam um Xiaoye Tong von der Universität Kopenhagen nun Satellitenbilder aus dem Jahr 2019 ausgewertet. Mithilfe eines KI-Algorithmus kartierten die Wissenschaftler erstmals, wie viel Landfläche weltweit für Gewächshäuser genutzt wird – sei es für Glashäuser oder offene Felder, die mit halbtransparenten weißlichen Plastikplanen abgedeckt werden. Die Karte ergab, dass mindestens 1,3 Millionen Hektar der Erdoberfläche für diese Art des Anbaus von Obst und Gemüse genutzt werden. Diese Fläche ist etwa dreimal so groß wie zuvor angenommen, wie das Team berichtet. Hinzu kommen saisonale Felder, die nicht ganzjährig bewirtschaftet werden und auf den Bildern daher nicht immer erkennbar sind.

Derzeit sind Gewächshäuser in 119 Ländern zu finden – mit Abstand die meisten davon in China, wo sich 60,4 Prozent der weltweiten überdachten Kultivierungsflächen befinden. Spanien, Italien und Mexiko belegen indes Platz zwei bis vier, haben aber nur einen Anteil an den globalen Anbauflächen von 5,6, 4,1 beziehungsweise 3,3 Prozent. Die Top-10 umfassen zudem die Türkei, Marokko, Südkorea, Japan, die Niederlande und Frankreich.
Zudem nehmen folienbedeckte Felder und Gewächshäuser immer mehr Platz ein, wie die Analysen ergaben. „Der Gewächshausanbau ist zu einem globalen Phänomen geworden, und alles deutet darauf hin, dass er weiter expandieren wird“, sagt Tong. Vor allem in einkommensschwächeren Ländern des globalen Südens boomt aktuell der Ausbau solcher Kultivierungsflächen. Während es Gewächshäuser auf der Nordhalbkugel bereits seit den 1970er Jahren in großem Stil gibt, wurden sie im globalen Süden erst ab den 1990er Jahren gebaut. Während im Norden allerdings inzwischen kaum noch neue Flächen erschlossen werden, hält der Ausbau in Asien, Afrika, Zentral- und Südamerika an. Zusammen verfügen diese Regionen derzeit über 2,7-Mal so viele Anbauflächen wie der Globale Norden.





