Vulkaneifel besuchen: Im Land des schlafenden Infernos - wissenschaft.de | natur
natur PlusErde & Umwelt
Vulkaneifel besuchen: Im Land des schlafenden Infernos
Wenn nur dieser Wind nicht wäre. Eisig zieht er über die Kuppe des 561 Meter hohen Mäusebergs und zupft einem im Gesicht herum. Zwei Krähen fliegen zügig an kahlen Bäumen vorbei gen Osten, unter den Stiefeln klitscht halb gefrorener Matsch: Winter in einem deutschen Mittelgebirge. Ein paar niederländische Wanderer lassen sich von der Witterung allerdings nicht beeindrucken. Die kleine Truppe hat direkt am hiesigen Dronketurm Platz genommen und trinkt gut gelaunt Kaffee aus der Thermoskanne. Bis zur Turmspitze sind es 43 Stufen – ein kurzer, aber wirklich lohnender Aufstieg, denn am Ende der Wendeltreppe wartet eine Aussichtsplattform mit grandiosen Rundumblick. Gen Süden schweift der Blick über eine weitläufige, sanft gewellte Landschaft. „Das sind die Reste der alten Verwitterungsfläche“, sagt Geograf Andreas Schüller. Millionen Jahre lang habe die Erosion dort gewirkt und alle Erhebungen abgetragen. Nach Norden hin kündigen dunkle Wolkenmassen den nächsten Schneeschauer an,…
Sie haben noch 2 von 3 kostenlosen Artikeln übrig1/3
Text: Kurt de Swaaf
Wenn nur dieser Wind nicht wäre. Eisig zieht er über die Kuppe des 561 Meter hohen Mäusebergs und zupft einem im Gesicht herum. Zwei Krähen fliegen zügig an kahlen Bäumen vorbei gen Osten, unter den Stiefeln klitscht halb gefrorener Matsch: Winter in einem deutschen Mittelgebirge. Ein paar niederländische Wanderer lassen sich von der Witterung allerdings nicht beeindrucken. Die kleine Truppe hat direkt am hiesigen Dronketurm Platz genommen und trinkt gut gelaunt Kaffee aus der Thermoskanne. Bis zur Turmspitze sind es 43 Stufen – ein kurzer, aber wirklich lohnender Aufstieg, denn am Ende der Wendeltreppe wartet eine Aussichtsplattform mit grandiosen Rundumblick. Gen Süden schweift der Blick über eine weitläufige, sanft gewellte Landschaft. „Das sind die Reste der alten Verwitterungsfläche“, sagt Geograf Andreas Schüller. Millionen Jahre lang habe die Erosion dort gewirkt und alle Erhebungen abgetragen. Nach Norden hin kündigen dunkle Wolkenmassen den nächsten Schneeschauer an, darunter ragen diverse Kuppen und Kegel empor. Eine buckelige Welt. Es ist das typische Bild der Vulkaneifel. Schüller lächelt. Was für ein Unterschied, nicht wahr?
Von Vulkanismus geprägt
Die meist ziemlich dünn besiedelte Region mit den spannenden Spuren einstiger Vulkane reicht vom Laacher See östlich von Koblenz bis wenige Kilometer vor die belgische Grenze. Insgesamt gibt es im Gebiet über 350 sogenannte „Eruptionszentren“, wie Andreas Schüller erläutert. Jedes davon entstand durch einen Ausbruch. Begonnen hat die vulkanische Aktivität während des Eozäns vor etwa 45 Millionen Jahren, berichtet der Experte. Seitdem rumorte die Erde hier immer wieder. Was dabei entstand, zeigt sich vom Dronketurm aus. Viele der auffälligen Kuppen sind Schlackenkegel, also eher kleine Vulkane, deren Hänge aus hochgeschleuderten Lavabrocken und -bröckchen bestehen.
Eine andere Auswirkung einer Eruption ist von hier oben ebenfalls gut zu sehen. Weit unten, praktisch im Schatten des Mäusebergs, glänzt ein fast kreisrunder See: das Gemündener Maar. Das Gewässer liegt in einem circa 20.000 Jahre alten Explosionskrater, erklärt Schüller. Als einst aufsteigendes, glühendes Magma auf Grundwasser traf, rissen die daraus resultierenden Dampfdetonationen ein mehr als 600 Meter breites Loch in die Erdoberfläche. Das muss kräftig geknallt haben.
Erwanderbare Naturwunder
Andreas Schüller ist Geschäftsführer des 2000 gegründeten Natur- und Geoparks Vulkaneifel. Er kennt das Gebiet wie seine Westentasche. Die Erdgeschichte wird hier für jeden nachvollziehbar, schwärmt der Fachmann. Und die Parkverwaltung unterstütze dies nach Kräften. So habe man annähernd 600 Infotafeln in der Region aufgestellt – quasi überall, wo es etwas besonders Interessantes zu erzählen gibt. Spezielle Wanderwege führen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten; der ideale Ort für neugierige Naturerlebnistouristen. Natürlich ist die wärmere Jahreshälfte dafür die angenehmere Reisezeit, doch auch im Winter lohnt sich ein Besuch. Die Landschaft hat dann einen ganz eigenen Reiz, meistens menschenleer und unterstrichen durch Stille. Früher konnte man in dieser Gegend gut Langlaufen, erzählt Schüller, aber dafür mangelt es heutzutage an Schnee. Der Klimawandel schlägt auch hier zu.
Mehr aus Erde & Umwelt
Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Erde & Umwelt.
Braunbären haben als echte Anpassungskünstler mehrere Eiszeiten überlebt. Eine 3D-Analyse zeigt nun den Grund dafür - er steckt im Unterkiefer.
Erde & Umwelt
Aus Alt mach Neu: Retrofitting macht Dieselbusse zu E-Bussen
8. Juli 2026
Die Verkehrswende ist eine Voraussetzung für die Klimaneutralität. Eine Studie zeigt, wie Dieselbusse klimafreundlich auf Elektroantrieb umgerüstet werden…
Vom Mäuseberg aus geht die Fahrt durch Wälder und Dörfer weiter zum „Vulkanerlebnispark Mosenberg“. Auf den ersten Blick wirkt er nicht sehr spektakulär: Vor einer fast kahlen Felswand stehen ein paar Infotafeln, zu denen ein schmaler Pfad führt. Wer allerdings genauer hinsieht, erkennt schnell, dass der vermeintliche Fels eher ein Haufen losen Materials ist.
Schlacke, erklärt Andreas Schüller. Man stehe hier am Rande eines aufgegebenen Steinbruchs. Der hiesige Vulkankegel wurde beim Abbau gewissermaßen halbiert; die Wand zeigt einen Querschnitt durch sein Inneres. Der hellbraune Bereich rechts ist der ehemalige Schlot, durch den die Lava einst an die Oberfläche drang, erläutert der Geograf. Sobald die geschmolzene Masse in die Luft geschleudert wurde, kühlte sie rasch ab und landete neben dem Eruptionsherd. Dicke Brocken flogen nicht weit, die kleineren, etwa daumennagelgroßen Fragmente indes prasselten erst nach mehreren Dutzend Metern wieder herunter und bildeten eine mächtige schwarzgraue Schicht aus Lavasteinchen – sogenannten Lapilli. Diese noch immer sehr lockeren Ablagerungen sind äußerst instabil. Wer darauf hochzuklettern versucht, bewegt sich fast wie auf Pulverschnee.
Auf der Südseite des Schlots floss während der Eruptionen auch ein Lavastrom in den heutigen Horngraben. Der glühende Fluss erstarrte und lässt sich nun an einigen Stellen als schöne Basaltformation bestaunen. Jedoch ist der Mosenberg kein Solitär, sondern eine Kette aus insgesamt fünf Vulkanen, sagt Andreas Schüller. Die Ausbrüche fanden vermutlich vor ungefähr 35.000 Jahren statt. Im Nordwesten der Ansammlung liegt der Windsborn, ein knapp 500 Meter hoher Schlackenkegel. Der dortige See ist durch seine Lage in der Kegelspitze der einzige echte Kratersee in Mitteleuropa – eine ökologische Kostbarkeit. Aufgrund seiner erhöhten Lage ist das kleine Gewässer vom Grundwasser abgeschnitten und hat keine Zuflüsse, sagt Schüller. Dementsprechend gelangen auch nur sehr wenige Nährstoffe in den See. So ein oligotropher Lebensraum bildet ein Refugium für spezialisierte Pflanzenarten wie den Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und das Sumpfblutauge (Potentilla palustris). Sie können sich nur unter nährstoffarmen Bedingungen entfalten, sonst werden sie schnell von anderen Gewächsen verdrängt. Der Windsborn-Kratersee und der angrenzende Wald sind deshalb streng geschützt, betont Schüller. Man müsse jede Art von Verschmutzung oder Vegetationsschädigung vermeiden.
Für das nur zwei Kilometer weiter nordwestlich gelegene Meerfelder Maar drohte Ende der 1970er fast jede Hilfe zu spät zu kommen. Der dortige Krater ist deutlich größer als der selbst schon mehr als 750 Meter lange See. Am inneren Maarhang liegt das Dorf Meerfeld, daneben breiten sich Äcker und Weiden aus. Abwässer aus der Siedlung und eingespülter Dünger ließen den See vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg immer stärker eutrophieren, bis das Gewässer schließlich kurz vor dem Umkippen stand. Durch den Bau einer Kanalisation und die Einrichtung von Pufferzonen zwischen Ufer und Landwirtschaftsflächen entspannte sich die Lage etwas, doch ein wesentliches Problem blieb: Die untersten Wasserschichten des Sees und sein Bodenschlamm waren weiterhin stark mit Nährstoffen belastet. Letztere saßen wie in einer Fallgrube gefangen. Abhilfe schaffte erst eine 1981 installierte Tiefenwasserableitung. Über ein Rohrsystem saugte man die ammoniak- und phosphorhaltige Brühe nach oben, und ließ sie langsam über den benachbarten Bach abfließen. Das Projekt gelang. „Das Seewasser ist noch nicht ganz oligotroph, aber es wird beständig besser“, prognostiziert Andreas Schüller. Durch den gesunkenen Nährstoffgehalt kann im Sommer im Meerfelder Maar wieder bedenkenlos gebadet werden.
Im Ulmener Maar-Stollen
Die Sonne hat sich heute leider gar nicht gezeigt, nun beginnt auch die graue Wolkendecke bereits einzudunkeln. Die Abenddämmerung naht. Zum Abschluss der Tour geht es zusammen mit Schüller in die Kleinstadt Ulmen. Auf dem Fußweg hinter dem örtlichen Campingplatz erinnert die flache weitläufige Landschaft überraschend an Norddeutschland; Schilf und Weidengebüsch umrahmen eine vom Wind gewellte Wasserfläche. Willkommen am Jungferweiher. Der Name passt allerdings nicht so ganz, denn es ist eigentlich ein richtiger See – 33 Hektar groß, aber seicht. Weniger als einen Meter tief, betont Schüller. Und: „Das ist ein ornithologischer Top-Standort.“ Im flachen, nährstoffreichen Wasser lebe nämlich viel Kleingetier. Für Watvögel und andere gefiederte Kostgänger sei der Jungferweiher deshalb ein reich gedeckter Tisch. Während des Zugs von oder nach Süden machen hier viele Tiere Rast, berichtet der Geograf. Mit etwas Glück könne man dann auch Kraniche beobachten, ein faszinierendes Naturschauspiel.
Am südlichen Ende des Sees reguliert ein kleiner Damm den Wasserstand. Dem Bauwerk angeschlossen ist eine Phosphor-Eliminationsanlage, denn ähnlich wie früher das Meerfelder Maar, ist auch der Jungferweiher eutrophiert, erklärt Andreas Schüller. Dank der geringen Tiefe und der ständigen Durchmischung durch Wind droht das Gewässer zwar nicht zu kippen, doch für das benachbarte Ulmener Maar wären vor allem die phosphorhaltigen Nährstoffe durchaus problematisch. Letzteres dient schließlich als Trinkwasserreservoir. Beide Seen sind über einen 126 Meter langen Tunnel, den Ulmener Maar-Stollen, miteinander verbunden. Der Gang wurde im Mittelalter angelegt, wahrscheinlich um die Wasserversorgung der weiter stromabwärts gelegenen Wassermühlen zu verbessern, meint Schüller. 2022 unterzog man den damals teils einsturzgefährdeten Tunnel einer Generalsanierung. Jetzt ist er für jeden zugänglich.
Direkt hinter dem Eingang fällt das Auge auf bunte Graffitimalerei, die den Spritzbeton ziert. Das Kunstwerk stellt das Aufeinandertreffen von Feuer und Wasser dar, wie Andreas Schüller erläutert. Beide Elemente seien bekanntlich gemeinsam für die Geburt der Maare verantwortlich gewesen. Tiefer im Inneren des Stollens bietet ein kleiner Aufschluss Einblick in das einstige Geschehen. Unten liegen die grauen, über 400 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten aus dem Unterdevon und darauf die fest verklebte Tephra, sprich fragmentierter Fels vermischt mit Magma, die aus dem Ulmener Maar herausgeschleudert wurde. Dieser Ausbruch ereignete sich vor ungefähr 10.650 Jahren. Das Ulmener Maar ist damit das jüngste Eruptionszentrum Deutschlands, betont Schüller. Es wird aber nicht das letzte Mal gewesen sein. Unter der Eifel kommt es durch aufsteigende Hitze aus dem Erdinneren noch immer zu Aufschmelzungen, erklärt der Experte. Irgendwann gebe es den nächsten Ausbruch. Nach dem Gang durch den Tunnel wartet draußen plötzlich ein teils steilwandiger Krater, ein erstaunlicher Kontrast zum Jungferweiher. Der liegt übrigens auch in einem Maar, fährt Schüller fort. Allerdings wurde dessen vermutlich über 130.000 Jahre alter Trichter vom Auswurf des neuen Nachbarn weitgehend zugeschüttet. Daher das flache Gelände.
Käse von glücklichen Kühen und Ziegen
Der nächste Tag bringt kein besseres Wetter. Eine einspurige kurvige Straße führt durch Mischwald ins Dörfchen Sarmersbach. Hier soll der leckere Käse herkommen, den es gestern im Supermarkt zu kaufen gab. Auf dem „Ulmenhof“ arbeitet man streng nach biologisch-organischen Richtlinien. „Wir bewirtschaften knapp 75 Hektar; davon zehn Hektar Ackerfläche, und der Rest ist Grünland“, berichtet Mitinhaber Stefan Frangen. Er und seine Ehefrau Ute haben den Betrieb 1987 gegründet. Das Paar gehört nicht nur unter Biobauern zu den Pionieren. „Die Eifel hat keine Käsetradition, obwohl sie eine Grünlandregion ist“, sagt Ute Frangen. Dass es hier mehr Wiesen und Weiden als Äcker gibt, liegt vor allem an den kargen Böden, ergänzt ihr Mann. Auf der bis 100 reichenden Skala der Ertragsfähigkeit von Äckern hätten die besten hier gerade mal 40 bis 45 Bodenpunkte. „Dafür würde ein Bauer in der Kölner Bucht nicht mal den Spaten in die Hand nehmen.“
Ute Frangen hat das Käsen über Kurse des Fachverbands für handwerkliche Milchverarbeitung (VHM) erlernt. Sie arbeitet zum Teil mit Rohmilch, was dem Aroma der Produkte zugutekommt. Hergestellt werden fester Schnittkäse, Weichkäse, Joghurt und Quark; der Verkauf läuft zum Teil über den hofeigenen, erstaunlich gut sortierten Bioladen.
Der Tierbestand des Ulmenhofs besteht derzeit aus 65 Bunten Deutschen Edelziegen und 35 Milchkühen: Rotvieh, Vorderwälder-Rinder und Jerseys. „Alles Rassen, die noch sehr weidetauglich sind“, sagt Stefan Frangen. Die beiden Landwirte legen großen Wert darauf, dass ihr Vieh so viel wie möglich draußen grasen kann. „Was die Kühe fressen, spiegelt sich in der Milch wider“, betont Ute Frangen. Das sei die Basis für den aromatischen Käse. Jetzt, im Winter, wenn das Gras nicht wächst, bekommen die Tiere Heusilage von den eigenen Wiesen. Dieses angenehm duftende Futter wird ihnen eine halbe Stunde später im Offenstall am Hang oberhalb des Dorfes vorgesetzt. Während ihre Artgenossinnen entspannt mampfen und wiederkäuen, reibt sich eine Kuh an einer rotierenden Massagebürste. „Das ist unsere Wellness-Ecke“, meint Stefan Frangen grinsend. Besser kann es einem Rind wohl kaum gehen.
Im Reich der Uhus
Gerolstein, die bekannte Brunnenstadt, grenzt unmittelbar ans Zentrum des Eifeler Vulkanfelds. Überragt wird der Ort allerdings von mächtigen, viel älteren Dolomitfelsen. Diese Formationen, wie Andreas Schüller erklärt hat, entstanden im Devon vor etwa 380 Millionen Jahren. Damals erstreckten sich hier mehrere flache Meereslagunen, in denen schwammartige Stromatoporen und urzeitliche Korallen gediehen. Deren Riffe wurden zum kalkhaltigen Dolomit. Die Felsen blieben jedoch nicht von den späteren vulkanischen Aktivitäten verschont. Am Ende der letzten Eiszeit durchbrach eine Eruption das Gestein; der hervorquellende Lavastrom floss Hunderte Meter weit bis dort, wo heute das Gerolsteiner Einkaufszentrum liegt. Wer die Spuren dieses Ausbruchs und mehr sehen möchte, folgt am besten von der Kasselburg aus dem ausgeschilderten „Gerolsteiner Felsenpfad“. Der Wanderweg führt am Krater Papenkaule vorbei zur Buchenlochhöhle. Steinzeitwerkzeuge und Knochen von Beutetieren deuten darauf hin, dass in der Karstgrotte früher Menschen lebten. Das Innere der Höhle ist ungemütlich feucht, aber ihr Eingang öffnet sich nach Westen. Vermutlich hatten die Bewohner einen schönen Ausblick und konnten die Sonnenuntergänge genießen.
Um fünf Uhr trifft Stefan Brücher mit seinem Landrover am Waldrand ein. Der Vorsitzende der „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ (EGE) möchte einen besonderen Eifeler vorstellen: den Uhu. Ein Paar dieser weltweit größten Eulenart hat an einer Felswand hier in der Nähe seinen Nistplatz. Gerade ist Balzzeit, erzählt Brücher. Es gibt also eine gute Chance, die Tiere zu hören oder vielleicht sogar zu sehen. Der genaue Ort soll an dieser Stelle allerdings nicht verraten werden. Zu viel menschliche Präsenz könnte die Vögel stören und zur Brutaufgabe veranlassen. Das ist aber nicht überall der Fall. „In der Eifel brüten die meisten Uhus in aktiven Steinbrüchen“, sagt Brücher. Die Eulen gewöhnen sich da an Lärm und Betrieb (siehe natur 10/2025, S. 82–87). An diesem von Natur aus stillen Platz indes könnte das anders sein. Besser kein Risiko eingehen. Vor 40 Jahren waren Uhus in der Region schließlich ausgestorben – wie damals fast überall in Deutschland. Ihre Rückkehr ist nur Wiederansiedlungsprogrammen und Schutzmaßnahmen zu verdanken. Heute gibt es allein in der Eifel wieder rund 170 Brutpaare.
Der Himmel hat bereits das abendliche Dunkelblau angelegt, als aus den Bäumen oberhalb der Felsen ein unüberhörbares „Buhu“ ertönt. Und direkt noch mal. Wahrscheinlich ist es das Weibchen, meint Stefan Brücher. Seine Stimme ist höher, auch wenn Uhu-Damen im Vergleich zu männlichen Exemplaren stets etwas größer und schwerer sind. Zehn Minuten später antwortet endlich der Partner. Ein langsames Duett beginnt, doch das Männchen scheint noch nicht so richtig in Stimmung zu kommen. Dann, unerwartet, hebt Madame ab und schwebt mit ihren über anderthalb Metern Spannweite an den Wipfeln entlang. Wirklich, so einer imposanten Erscheinung begegnet man nicht alle Tage. //
Erde & Umwelt
Ozeanerwärmung lässt Meerestiere schrumpfen
6. Juli 2026
Meerestiere werden in Reaktion auf Umweltkrisen kleiner, besonders bei einer Erwärmung der Ozeane. Dadurch könnte der aktuelle Klimawandel den marinen…
natur PlusErde & Umwelt
Schutz der Halligen
6. Juli 2026
Auf der Hallig Nordstrandischmoor wird erprobt, wie Halligen durch vermehrte Einschwemmung von Sediment den Klimawandelfolgen besser trotzen können.