Aber wie machen Sie das?
Tja, vor allem jahrelange Erfahrung und ausgefeilte Technik. Und gute Kontakte natürlich. Ich habe sehr zuverlässige Lieferanten am Andenhauptkamm. Mir geht das Material so schnell nicht aus.
Das mag ja alles sein. Aber Wissenschaftler wie Helmut Rott von der Uni Innsbruck und Pedro Skvarca vom Instituto Antártico Argentino haben Sie jahrelang untersucht und sind ratlos. Was machen Sie anders als der Rest der Welt?
Ah, diese Wissenschaftler! Muy curioso! Einerseits mag ich sie, weil sie sich intensiver mit mir beschäftigen als die Touristen. Was die alles veranstalten! Setzen Markierungspfähle, bauen meteorologische Stationen auf, vermessen mich mit Lasergeräten und Satelliten bis auf den Zentimeter genau … alles sehr sorgfältig. Ich weiß jetzt, dass ich 254 Quadratkilometer groß bin und an der stärksten Stelle über 600 Meter dick, dass ich mich mit maximal 2,5 Metern am Tag fortbewege und dass meine Massenbilanz wegen der stark schwankenden Niederschläge nur annähernd zu berechnen ist. Alles wunderbar, muy interesante. Aber diese Forscher blicken nicht in meine Seele!
Was macht denn Ihre Seele aus?
Gute Frage, muchacho! Es ist der Tango! Es geht um Improvisation. Um das Gespür für den besonderen Augenblick. Und um den Rhythmus. Ich bin ein Künstler, comprende? Ich tanze Tango mit dem Lago Argentino. Ein Schritt vor, einer zur Seite, eine Vierteldrehung . und manchmal habe ich Lust auf Tempo, dann tanzen wir eine Milonga. Da geht hier die Post ab!
So wie zwischen 2004 und 2008, als Sie innerhalb von vier Jahren dreimal ihre berühmte Eisbrücke haben zusammenkrachen lassen?
Genau. Und dafür baue ich manchmal viele Jahre lang gar keine – so wie von 1988 bis 2003. Andererseits habe ich in den 60er Jahren einmal den Brazo Rico mehr als 20 Meter hoch aufgestaut. Rekord!
Sie lieben es, unberechenbar zu bleiben.
Richtig, hombre! Mir macht es Spaß, die Leute ein bisschen zum Narren zu halten. Wenn ich zum Beispiel sehe, auf der Aussichtsplattfom stehen drei Dutzend Touristen, die mit ihren Digicams wie blöde auf die Eisbrücke starren, ob die nun endlich zusammenkracht – dann lasse ich drüben an meiner Gletscherfront schnell mal einen Eisberg ins Wasser platschen. Was glauben Sie, wie schnell die Kameras rumschwenken! Aber dann ist es zu spät, und alle





