Wovon sprechen Sie?
Jahrzehntelang galten Sie als König der Dinosaurier .
Zu Recht, wie der Name sagt.
. bis sich erstens herausstellte, dass nicht Sie, sondern Kollegen wie Spinosaurus und Giganotosaurus die größten Fleischfresser waren .
(Schaut betont gelangweilt.) Die waren minimal größer als ich. Wenn überhaupt! Aber völlig ohne meine Ausstrahlung, die Jungs.
. zweitens John Hutchinson und Mariano Garcia von der California Universität in Berkeley nach Analyse der Muskelverhältnisse erklärten, dass Sie mitnichten ein agiler Läufer waren, sondern ein eher hüftsteifer Geselle .
(Gähnt demonstrativ.) Sind mir nicht bekannt, die Herrschaften. Sonst noch was?
. und drittens der Paläontologe Jack Horner behauptete, Sie seien in Wahrheit nicht mal der grausame Killer gewesen, für den man Sie immer hielt, sondern ein fauler Aasfresser.
(Winkt müde ab.) Ach, diese Geschichte. Da will sich einer profilieren. Lächerlich! Wie ich höre, ist die Mehrzahl der Paläontologen da ohnehin anderer Ansicht. Meine Gefährlichkeit und Beißkraft sind nach wie vor unumstritten.
Offenbar nicht. Ewan Wolff von der University of Wisconsin fand heraus, dass Sie im Alter an der Parasitenkrankheit Trichomonose litten. Die Mikroben hatten den Kiefer zersetzt; der stolze Jäger konnte am Ende kaum mehr zubeißen. Ihr Image als Tötungsmaschine ist ziemlich angekratzt.
Von wegen, Freundchen! Ich bin immer noch der bekannteste Saurier überhaupt – und laut Umfragen der einzige, von dem auch Laien den vollständigen
wissenschaftlichen Namen kennen. Und wer marschiert denn durch alle Kinderzimmer dieser Welt? Wer steht lebensgroß vor dem Frankfurter Senckenbergmuseum, vorm Sauriermuseum Aathal, im Field Museum in Chicago, im Jurassic-Park-Logo? Na?
Aber nicht nur Wissenschaftler scheinen der Ansicht zu sein, dass Sie nicht mehr der Meister aller Klassen sind. Im dritten Jurassic-Park-Film durfte statt Ihrer der Spinosaurus den Bösewicht geben – und im Vorübergehen einen Tyrannosaurus killen. Wenn das keine Majestätsbeleidigung ist!





