Es gibt keinen offiziellen EM-Rasen.
Wie bitte? Bei der WM 2006 …
Naja, das war Deutschland. “Offizieller WM-Rasen”! “Spezialisierte Landschaftsarchitekten”, “Rasenkompetenzteam”! Jaja, großes Kino. Nein, diesmal ist alles etwas entspannter. Die Stadionbetreiber entscheiden selbst, welchen Rasen sie einbauen.
Und was für einer sind Sie?
Ich bin der Finalrasen. Ich liege in Wien im Ernst-Happel-Stadion. Ich habe zunächst drei Vorrundenspiele, zwei Viertelfinale, ein Halbfinale. Und meinen ganz großen Auftritt kriege ich dann am 29. Juni, wenn im Endspiel Österreich gegen … haha, kleiner Scherz.
Sind Sie für die EM frisch verlegt worden?
Nein, ich liege schon seit zweieinhalb Jahren hier. Ab und zu die richtige Pflege, und ich bin wieder frisch wie der junge Morgen.
Wirklich? In anderen Stadien muss der Rasen permanent ausgetauscht werden – in Amsterdam gar 25 Mal in sechs Jahren.
Tja, diese modernen Stadien sind verdammt eng, es kommt kaum Licht rein. Da tun sich die Kollegen schwer mit dem Wachsen. Das Ernst-Happel-Stadion dagegen hat noch eine Laufbahn, da ist mehr Luft und mehr Licht. Wunderbarer Standort! Aber vielleicht ist der Kollege in Holland auch ein schlechter Rasen.
Was macht denn einen guten Rasen aus?
Er muss vor allem sorgfältig angezüchtet werden! Mit viel Zeit, auf einem guten Boden. Der Boden ist auch später enorm wichtig, als Trageschicht. Ich zum Beispiel stamme aus der Marchniederung in der Slowakei, nicht weit von Wien. Quarzreicher, saurer Boden auf nacheiszeitlichen Flugsanden. Das lieben meine Gräser. Da durfte ich zwei Jahre reifen; andere kriegen nur acht Monate, bevor sie zum Einsatz kommen. Die werden auch dichter gesät, da können sich einzelne Pflanzen nicht so gut entwickeln. Kein Wunder, dass die schneller schlappmachen. Wir modernen Rasen sind ja Hochleistungssportler, genauso wie die Spieler. Die müssen auch gut trainiert und richtig ernährt werden.
Aus was für Gräsern bestehen Sie denn?





