Der beste “Freund des Menschen” im Test
Bei Menschenaffen und Rabenvögeln haben Studien belegt, dass sie tatsächlich Befindlichkeiten oder Wissenszustände anderer erfassen und dieses Wissen nutzen können. Aber wie sieht es mit unseren engsten Freunden im Tierreich aus – den Hunden? Den Forschern um Ludwig Huber von der Veterinärmedizinischen Universität Wien ist es durch einen cleveren experimentellen Ansatz gelungen, überzeugende Beweise für die entsprechenden Fähigkeiten der Vierbeiner zu liefern.
Die Wissenschaftler gingen ihrer Forschungsfrage zunächst mittels des sogenannten Guesser-Knower-Paradigmas nach: Bei den Experimenten gab es immer zwei menschliche Versuchsleiter – einen “Wissenden” und einen “Unwissenden”. Der Wissende platzierte das Futter für den Hund unsichtbar in einer von mehreren Schalen oder wusste, wo es von jemand anderem platziert worden war. Der Unwissende war beim Verstecken des Futters entweder nicht im Raum oder hielt sich die Hände vor das Gesicht. Eine undurchsichtige Wand machte es den Hunden unmöglich, das Verstecken des Futters zu sehen. Danach wurden die beiden Menschen zu Informanten, indem sie mit der Hand auf unterschiedliche Futterschalen zeigten.
Der Wissende zeigte dabei stets auf das tatsächliche Versteck – der Unwissende hingegen auf eine leere Schale, wobei beide Schalen gleichermaßen nach Futter rochen. Um sich für den richtigen Napf zu entscheiden, mussten die Hunde folglich verstehen, wer das Futterversteck kannte (Wissender) und wer nicht (Unwissender) und begreifen, wer dadurch der bessere Informant war. Wie die Forscher berichten, bestanden die Hunde den Test klar: In knapp siebzig Prozent der Fälle wählten die Hunde die vom Wissenden angezeigte Schüssel. Diese Versuchsreihe bestätigte damit Ergebnisse einer früheren Studie aus Neuseeland. Den eindeutigen Nachweis erbrachte dann aber erst der neue Test des Teams, der sogenannte “Schau hin, schau weg”-Test.
“Schau hin, schau weg”-Test bestanden
Dabei platzierte eine Person in der Mitte zwischen zwei weiteren Menschen das Futter, ohne später selbst einen Hinweis zu geben. Beide potenziellen Informanten standen links und rechts von diesem Futter-Verstecker und richteten ihren Blick in spezielle Richtungen: Eine der beiden Personen hatte den “Futterbereiter” genau im Blick, die andere Person sah von ihm weg – er konnte nicht sehen, was er tat. “Die getesteten Hunde mussten also durch Einnahme der Perspektive der Informanten und dem Folgen ihrer Blicke beurteilen, wer der wissende Informant ist, um an das Futter zu kommen”, erklärt Huber. Selbst bei diesem für die Tiere schwierigeren Test waren die Hunde wieder in knapp siebzig Prozent aller Versuche erfolgreich, berichten die Verhaltensforscher.





