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Hummeln nutzen Werkzeuge – ohne vorheriges Training
Erde & Umwelt

Hummeln nutzen Werkzeuge – ohne vorheriges Training

Hummeln besitzen die Fähigkeit zur spontanen Problemlösung: Sie können Gegenstände spontan zum Werkzeug umfunktionieren, ohne dies zuvor gelernt zu haben. · Foto: Seppo Leinonen

Innovative Insekten: Hummeln beherrschen eine mentale Fähigkeit, die man bisher nur von Menschen, Säugetieren oder Vögeln kannte: Sie nutzen Gegenstände auf neue Art, um ein Problem zu lösen. Im Experiment rollten die Hummeln einen Ball unter eine Nektarquelle, um ihn als Podest zu nutzen – ohne es zuvor gelernt oder trainiert zu haben. Dies ist der erste Nachweis einer solchen spontanen Problemlösung bei einem Insekt, wie Biologen in „Science“ berichten.
Autor
Redaktion
05. Juni 2026
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Krähen, Kakadus oder Menschenaffen sind dafür bekannt, dass sie Werkzeuge nutzen und diese auch zur Problemlösung einsetzen können, wenn sie dies nicht zuvor explizit gelernt haben. Ein klassisches Beispiel für eine solche spontane Problemlösung sind Schimpansen, die herumstehende Kisten aufeinanderstapeln, um eine hoch aufgehängte Banane zu erreichen.

„Eine solche Problemlösung mithilfe neuer Herangehensweisen und ohne vorheriges Training gilt als Kernmerkmal der kognitiven Flexibilität“, erklären Akshaye Bhambore von der Universität Oulu in Finnland und seine Kollegen. Bisher wurde diese Fähigkeit allerdings nur bei Wirbeltieren mit großem Gehirn nachgewiesen.

Hummeln in der Testarena

Wie aber sieht es mit Insekten aus? Immerhin zeigen gerade soziale Arten wie Bienen, Ameisen oder Hummeln einige teils erstaunliche geistige Leistungen: Sie finden zielsicher zum Nest oder zu nektarreichen Futterstellen zurück, kommunizieren auf komplexe Weise und können im Falle der Honigbienen sogar zählen. „Wir haben daher untersucht, ob auch Erdhummeln (Bombus terrestris) die Fähigkeit zur spontanen Problemlösung besitzen“, berichten Bhambore und sein Team.

Für ihr Experiment platzierten die Biologen eine künstliche Blume mit Zuckerlösung so an der Decke einer Testarena, dass die Hummeln weder auf ihr landen noch neben ihr in der Luft schweben konnten. In der Testarena lag zudem eine Styroporkugel, die sich in eine kleine Kuhle unter der Futterquelle rollen ließ. Dadurch wurde sie zum Podest, von dem aus die Hummeln an die Blüte gelangen konnten.

Hummel im Test
Diese Hummel hat erkannt, dass sie mithilfe der weißen Styroporkugel an die blaue Kunstblüte herankommt. © Mikko Törmänen

Innovative Lösung

„Dies ist im Grunde eine Insekten-Variante des klassischen ‚Kisten-und-Banane‘-Problems“, sagt Seniorautor Olli Loukola von der Universität Oulu. „Das Tier muss erkennen, dass ein Objekt neu positioniert und anschließend als Werkzeug genutzt werden kann, um ein ansonsten unerreichbares Ziel zu erlangen.“ Die Hummeln hatten im Vorfeld nur gelernt, dass die Kunstblume eine leckere Belohnung enthielt und dass die Kugel ein bewegliches, ungefährliches Objekt war. Die Wildbienen waren aber nie darauf trainiert worden, die Kugel zu rollen.

Würden die Hummeln von allein auf die Lösung kommen? Tatsächlich erwiesen sich die Hummeln als erstaunlich innovativ: Drei Viertel von ihnen lösten das Problem: Sie rollten die Kugel unter die Blüte und nutzten sie als Podest, um die Zuckerlösung zu trinken. „Im einen Moment erkundete das Tier scheinbar ziellos die Umgebung und im nächsten führte es eine höchst effiziente Handlungsabfolge aus, die direkt zur Lösung führte“, berichtet Co-Autorin Ece Nur Akmeşe von der Universität Helsinki. „Den Hummeln dabei zuzusehen, war wirklich faszinierend.“

Erfolgreich auch unter erschwerten Bedingungen

„Was dieses Verhalten besonders bemerkenswert macht, ist die Tatsache, dass die Bienen nie darauf trainiert worden waren. Dies stellte eine völlig neue Herausforderung dar“, betont Bhambore. Um sicherzugehen, dass die Hummeln nicht bloß zufällig oder von visuellen Reizen gelenkt auf ihre Lösung kamen, führte das Team weitere Versuchsdurchgänge unter erschwerten Bedingungen durch. In diesen war die Blume für die Hummeln nicht sichtbar, während sie den Ball bewegten. Selbst unter diesen Bedingungen lösten die Hummeln die Aufgabe.

„Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass unsere Bienen völlig unerfahren waren“, erklärt Loukola. „In vielen früheren Studien verfügten die Tiere bereits über umfassende Erfahrungen mit Objekten, Testumgebungen oder anderen Problemlöseaufgaben. In unserem Fall fehlte den Hummeln jegliche Vorerfahrung mit dieser Art von Lösungsstrategie.“

Hochentwickelte Fähigkeiten trotz winzigem Gehirn

Damit beweist das Experiment, dass auch Hummeln über die Fähigkeit zur spontanen Problemlösung verfügen – sie funktionieren Gegenstände zu Werkzeugen um, wenn sie dies weiterbringt. „Dies ist der erste Nachweis dieser Art der spontanen Problemlösung bei einem Insekt“, sagt Loukola. Gleichzeitig bestätigt dies, dass Bienen trotz ihres vergleichsweise winzigen Gehirns über überraschend hochentwickelte kognitive Fähigkeiten verfügen.

Nach Ansicht der Forschenden stellen ihre Ergebnisse die langjährige Annahme infrage, dass spontane Problemlösung auf den Menschen und andere Wirbeltiere mit großem Gehirn beschränkt ist. Allerdings bedeute dies nicht, dass die Insekten menschenähnliches Denkvermögen oder Bewusstsein besitzen: „Wir behaupten nicht, dass Bienen wie Menschen denken“, betont Loukola. „Doch unsere Ergebnisse zeigen, dass Miniaturgehirne flexible Lösungen für neuartige Probleme auf eine Weise hervorbringen können, die wir erst allmählich zu verstehen beginnen.“

Quelle: Akshaye Bhambore (Universität Oulu, Finnland) et al., Science, 2026; doi: 10.1126/science.ady1618

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