Ceballos und ihr Team entdeckten nun, dass das Virus an einen bestimmten Vielfachzucker auf der Oberfläche der Spermien andockt. Kommt eine derartig beladene Samenzelle dann in Kontakt mit einer sogenannten dendritischen Zelle ? einer Immunzelle, die eine Art Wächterfunktion für das Immunsystem innehat -, wird das Virus sofort übertragen und infiziert die Immunzelle. Diese gibt den Erreger wiederum an die ebenfalls zum Immunsystem gehörenden T-Zellen ab, in denen er sich dann explosionsartig vervielfältigt. Gleichzeitig bringt der Kontakt mit dem Spermium die dendritische Zelle dazu, beruhigende Botenstoffe auszusenden, die eine aggressive Reaktion des Immunsystems verhindern. Diese Zusammenarbeit funktioniert besonders gut bei leicht sauren pH-Werten, wie sie beispielsweise in der Vagina herrschen.
Beim Geschlechtsakt gibt es immer wieder kleiner Verletzungen der Schleimhäute in Vagina und am After, erläutern die Forscher. Diese Risse dienen den Spermien vermutlich als Pforte in die Blutbahn, wo sie dann mit den dendritischen Zellen in Kontakt kommen. Die Forscher nehmen an, dass auch andere Zellen, die dem HI-Virus als Wirtszelle dienen können, über die Spermien infiziert werden. Vor allem die immununterdrückende Wirkung, die beim Kontakt zwischen Spermium und Immunzelle anstoßen wird, könnte zur schnellen Ausbreitung des Virus im Körper beitragen, spekulieren die Forscher. Um bessere Strategien gegen die Übertragung von HIV zu entwickeln, sollte dieser Aspekt genauer untersucht werden, empfehlen sie.





