Die Wissenschaftler zählten für jedes Brutpaar die Anzahl der Eier und der Gelege sowie die Zahl der ausgeflogenen Nachkommen. Parallel entnahmen sie drei Wochen vor Brutbeginn und während der Aufzucht des ersten Geleges in natürlichen Situationen und unter künstlich herbei geführtem Stress regelmäßig Blutproben, um die jeweiligen Konzentrationen der Hormone Kortikosteron und Prolaktin zu bestimmen. “Wir waren überrascht, dass wir drei Wochen vor der Brutsaison anhand der gemessenen Hormonwerte voraussagen konnten, wie viel Nachkommen ein Elternpaar haben würde”, freut sich Jenny Ouyang. “Sperlinge, die vor der Brutsaison niedrige Kortikosteron-Werte hatten, zogen die meisten Jungen auf. Insbesondere Vögel mit niedrigen Werten vor, aber erhöhten während der Brutsaison, hatten großen Fortpflanzungserfolg: Sie investierten offensichtlich viel Arbeit in die Brut.” Die Tiere dagegen, die hormonell sehr stark auf Stress reagierten, fütterten weniger und hatten entsprechend weniger Nachkommen.
Prolaktin ist den Wissenschaftlern zufolge das entscheidende Hormon für den Zeitpunkt der ersten Eiablage: Weibchen mit höheren Prolaktinwerten begannen früher zu legen, und hatten deshalb auch mehr Nachkommen. “Besonders spannend ist für uns ebenso die Tatsache, dass die Elternpaare sehr ähnliche Hormonwerte aufwiesen”, fügt Jenny Ouyang hinzu “Ob sich die Paare gegenseitig in ihrem Hormonstatus beeinflussen, oder ob sie sich Partner mit ähnlichen Hormonwerten aussuchen, ist noch unklar.”
Die Ergebnisse dieser Untersuchung verbessern das Verständnis der physiologischen Mechanismen, die darüber entscheiden, wann, wie viel Eier pro Gelege und wie oft ein Vogel brütet. Dabei sind die Hormone Prolaktin und vor allem Kortikosteron von größerer Bedeutung für die Regelung individueller Investitionen vor Beginn der Fortpflanzung als bisher angenommen wurde. Sollte die individuelle Höhe der Hormonwerte vererbbar sein, könnte dies eine grundlegende Erklärung dafür sein, warum manche Individuen eine hohe Anzahl von Nachkommen hinterlassen und damit evolutionär erfolgreicher sind als andere.





