Die im menschlichen Genom gefundenen bakteriellen Gensequenzen sind durch Vererbung über gemeinsame Vorfahren und nicht durch horizontalen Gentransfer in unser Genom gelangt. Michael J. Stanhope und seine Kollegen der Bioinformatikgruppe des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline in Collegeville, USA, stellten das durch phylogenetische Studien an Sequenzen verschiedener Organismen fest. Ihre Ergebnisse stellen sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature vor.
Bei der Sequenzierung des menschlichen Genoms wurden 113 Sequenzabschnitte entdeckt, die eine große Ähnlichkeit mit bakteriellen Sequenzen haben. Wie sind diese Sequenzabschnitte in unser Genom gelangt? Eine mögliche Erklärung ist ein horizontaler Gentransfer von Bakterien zu Menschen. Das würde bedeuten, dass Bakterien Gene direkt auf unser Genom übertragen könnten.
Die Wissenschaftler von GloxaSmithKline untersuchten jetzt in einer phylogenetischen Studie 28 dieser homologen Sequenzen und stellten fest, dass 24 davon auch schon bei wirbellosen Eukaryoten vorkommen die zu den Vorfahren der Wirbeltiere gehören. Da der Mensch zur Gruppe der Wirbeltiere gehört, sind die Gene im Laufe der Evolution über diese Vorfahren vererbt worden und nicht durch horizontalen Gentranfer in unser Genom gelangt. Die anderen vier Gene konnten bei den untersuchten wirbellosen Euraryoten nicht nachgewiesen werden, daher könnten sie theoretisch durch horizontalen Gentransfer von den Bakterien direkt in das menschliche Genom gelangt sein. Aus der phylogenetischen Studie geht das aber nicht hervor und die Wissenschaftler vermuten, dass auch diese Gene vererbt wurden.
Ralf Möller





