Den Namen haben ihm skurrile Merkmale eingebracht: Der Tasmanische Teufel (Sarcophilus harrisii) hat ein pechschwarzes Fell, ein riesiges Maul und schreit und stinkt höllisch. Dieser charismatische Rabauke ist das größte heute noch existierenden Beutel-Raubtier – doch wie lange noch? Seit den 1990er-Jahren dezimiert eine ansteckende Krebserkrankung seine Bestände. Verursacht wird DFTD (Devils Facial Tumour Desease) von Tumorzellen, die durch Bisse weitergegeben werden. Sie führen zu Geschwüren im Gesicht der Tiere, metastasieren im ganzen Körper und führen schließlich zum Tod. Die Populationen sind dadurch mittlerweile schon um 80 Prozent eingebrochen und so gab es die Befürchtung, dass der Beutelteufel bald aussterben könnte.
Ein Krebs – so skurril wie das Opfer
Der ungewöhnlichen Erkrankung wurden bereits verschiedene Studien gewidmet. Was diese Krebsform übertragbar macht, ist demnach eine bizarre Eigenschaft: Das Tumorgewebe besitzt nicht das Erbgut des jeweils befallenen Tiers, wie normalerweise bei entarteten Zellen üblich. Es handelt sich stattdessen genetisch noch immer um Zellen des Beutelteufels, bei dem der Krebs vor Jahrzehnten durch Mutationen erstmals entstanden ist. Dieses Gewebe behält auch nach Übertragung seine Teilungsfähigkeit bei und kann trotz seiner Fremdartigkeit dem Immunsystem der infizierten Tiere entgehen und weitergegeben werden.
Das Erbgut des ansteckenden Krebses haben nun die Forscher um Andrew Storfer von der Washington State University in Pullman erneut untersucht. Um dem Krebs buchstäblich auf die Spur zu kommen, haben sie dabei die Technik der sogenannten phylodynamischen Analyse eingesetzt. Bisher wurde dieses Verfahren nur bei Viren oder Bakterien angewendet, um Rückschlüsse auf die Ausbreitungsdynamik zu gewinnen. Dabei können die genetischen Mutationen, die typischerweise im Genom der Erreger im Laufe der Verbreitung auftreten, Hinweise darauf liefern, wie sich eine Krankheit in einer Population ausgebreitet hat. Im Fall des ansteckenden Krebs betraten die Forscher nun allerdings Neuland, denn sein Erbgut unterscheidet sich von dem der Viren oder Bakterien deutlich: Im Gegensatz zu diesen besitzen die Tumorzellen eine sehr große und komplexe Genetik – denn ihre DNA entspricht der des Beutelteufels.
Im Rahmen der Studie haben sich die Forscher deshalb zunächst auf die Suche nach bestimmten Genen im Tumorerbgut gemacht, die besonders intensiv mutieren und sich dadurch als „Dokumente“ der Ausbreitungsgeschichte eignen. Sie analysierten dazu 11.000 Gene aus den Genomen von DFTD-Tumorlinien verschiedener Beutelteufel-Populationen der Insel Tasmanien. So identifizierten sie schließlich 28 Gene, die ein starkes, taktähnliches Signal der Mutation aufweisen. Mit ihnen führten sie dann die phylodynamische Analyse durch.





