Nashörner gehören zu den bedrohten Tierarten, auch wenn sich die Bestände einiger Arten langsam wieder erholen. Heute erscheinen Bilder, in denen westliche Jäger stolz vor einem erlegten Tier posieren, aus der Zeit gefallen. Doch die intensive Bejagung der Nashörner reichte bis in die 1950er Jahre hinein. Und auch heute kommt es noch zu Wilderei, weil die Hörner auf dem Schwarzmarkt weiterhin hohe Preise erzielen. Die Hörner haben sich aber im Laufe der Zeit verändert, wie Wissenschaftler nun herausgefunden haben.
Fotos als Blick in die Vergangenheit
Ein Team um Oscar Wilson, der zum Zeitpunkt der Forschung an der University of Cambridge tätig war, hat untersucht, wie sich die gnadenlose Nashorn-Jagd auf die Hornlänge der Tiere auswirkte. Hierzu analysierten er und seine Kollegen Fotos von 80 Nashörnern, die zwischen 1886 und 2018 aufgenommen worden waren. Sie zeigen Vertreter aller fünf Nashornarten – Breitmaulnashorn, Spitzmaulnashorn, Panzernashorn, Java-Nashorn und Sumatra-Nashorn – jeweils aus einem seitlichen Blickwinkel.
Die Wissenschaftler konnten auf Basis der Bilder nachträglich die Hornlänge der Tiere im Verhältnis zu ihrer Körpergröße bestimmen und so herausfinden, wie sie sich im Lauf der Zeit verändert hatte. Zusätzlich analysierten sie, wie die Tiere auf den Bildern dargestellt wurden, etwa als bedrohliche Monster oder als friedlich grasende Riesen. Dafür betrachteten sie nicht nur die 80 Fotografien, sondern zusätzlich auch Zeichnungen von Nashörnern, die bis zu 500 Jahre zurückreichen.
Kürzere Hörner bergen neue Gefahren
Das Ergebnis: Die Hörner aller betrachteten Arten sind im Laufe des letzten Jahrhunderts geschrumpft – nicht stark, aber trotzdem erheblich genug, um als aussagekräftig zu gelten. Die Autoren vermuten, dass sich hinter dem Schrumpfen der Hörner ein typischer Mechanismus der Evolution verbirgt, die gerichtete Selektion. Da vor allem Nashörner mit großen Hörnern profitabel waren und ihr Leben lassen mussten, „führte die bevorzugte Jagdauslese dazu, dass Individuen mit kleineren Merkmalen überlebten und sich stärker fortpflanzten und diese Merkmale an künftige Generationen weitergaben, was zu einer evolutionären Veränderung führte“, erklären die Wissenschaftler.
Eine solche gerichtete Selektion war bereits bei anderen Tieren wie Elefanten nachgewiesen worden, nun aber erstmals auch bei Nashörnern. Die kleineren Hörner könnten den Tieren allerdings auch Nachteile bringen, wie die Autoren vermuten: „In Anbetracht der vielfältigen Funktionen der Nashornhörner ist es wahrscheinlich, dass sich eine abnehmende Hornlänge nachteilig auf die Verteidigung oder die Fortpflanzung auswirken könnte. Eine abnehmende Horngröße kann auch den Druck auf die Nashornpopulationen durch Wilderei erhöhen, da mehr Nashörner getötet werden müssen, um die Nachfrage nach Horn zu befriedigen, die nach wie vor hoch ist.“





