1979 sorgte eine Studie zweier US-Forscher für Aufsehen. Denn sie hatten festgestellt, dass Kinder, die in unmittelbarer Nähe von Hochspannungsleitungen aufwuchsen, häufiger an Leukämie erkrankten als Kinder außerhalb dieser Bereiche. Als Ursache hatten sie die von den Leitungen erzeugten magnetische Felder in Verdacht. Seitdem hat es mindestens 30 weitere epidemiologische Studien zu diesem Thema gegeben, die eine statistische Häufung von Leukämie und anderen Krankheiten im Umfeld der Leitungen zu bestätigen schienen. Erhebungen in Großbritannien deuten allerdings daraufhin, dass diese Häufungen seit den 1960er Jahren stark abgenommen haben. “Auf der Basis der epidemiologischen Studien und trotz widersprüchlicher Laborexperimente wurden die von solchen Leitungen verursachten magnetischen Felder als ‘möglicherweise krebserregend’ eingestuft”, berichten John Swanson vom Netzbetreiber National Grid und seine Kollegen von der University of Oxford. Auf welche Weise dies jedoch geschieht und warum ausgerechnet Leukämie dadurch gefördert wird, ließ sich bisher allerdings nicht eindeutig feststellen.
Sind ionisierte Schadstoffe schuld?
Ein möglicher Wirkmechanismus, der zurzeit diskutiert wird, geht von einer Wechselwirkung der elektromagnetischen Felder mit Schadstoffen der Luft aus, wie die Forscher erklären. Durch bestimmten Umstände, wie Wassertröpfchen in der Luft oder Bodenunebenheiten, kann das elektrische Feld der Hochspannungsleitungen so verstärkt werden, dass es eine Ionisation der Luft verursacht. Die Luftteilchen laden sich auf, oft ist dabei ein leises Knistern zu hören. Durch Kontakt mit Schadstoffen in der Luft könne auch diese ionisiert werden. Typischerweise bleibt diese sogenannte Corona-Ionisation auf die unmittelbare Umgebung der Leitungen beschränkt, doch ein Teil der geladenen Teilchen kann durch den Wind weiter verdriftet werden. “Meist ist ihre Konzentration im Umfeld einiger hundert Meter um die Leitung am höchsten, so Swanson und seine Kollegen. Die Corona-Ionen-Hypothese geht nun davon aus, dass diese Ionisierung die potenziell gesundheitsschädliche Wirkung der Luftschadstoffe verstärkt – und damit möglicherweise auch deren leukämiefördernden Effekte.
Swanson und seine Kollegen haben nun diese Hypothese anhand von 53.515 Fällen von Krebs bei zwischen 1968 und 2008 geborenen Kindern in Großbritannien überprüft. Für diese im Nationalen Krebsregister registrierten Fälle ermittelten sie, wie weit die Kinder von der nächsten 123 oder 400 Kilovolt-Hochspannungsleitung entfernt lebten. Wie sich zeigt, lebten 7.347 der krebskranken Kinder 600 Meter und weniger von einer solchen Leitung entfernt. Für diese Fälle bezogen die Forscher zusätzlich Daten zur vorherrschenden Windrichtung am Wohnort der Kinder mit ein, um herauszufinden, ob sich die Fälle auf der leewärtigen Seite der Leitungen häuften, wie es die Hypothese der Corona-Ionisation besagt.





