Das Prinzip dahinter: Wenn eine solche Wespe ihre Eier in eine Taufliegenlarve injiziert, bedeutet das fast immer das Ende für die Fliegenlarve. Die Wespe wächst im Blut des Wirtes heran und ernährt sich von ihm. Am Ende des Larvenstadiums schlüpft statt der Taufliege eine fertige Wespe aus der Puppe.
Eine im Tierreich verbreitete Verteidigungsstrategie gegen solche Angreifer ist die Bildung oder Aufnahme von Molekülen mit toxischer Wirkung für Endoparasiten. Da Taufliegen in Anpassung an ihren Lebensraum eine erstaunliche Alkoholtoleranz entwickelt haben, könnten sie Alkohol theoretisch als Gift gegen die Wespen einsetzen, vermuteten die US-Forscher.
Um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen, bestimmten die Evolutionsbiologen die Überlebensraten von Taufliegen der Art Drosophila melanogaster, die nach und vor einer Infektion mit parasitären Wespen mit alkoholhaltiger Nahrung gefüttert wurden. Ergebnis: Der Alkohol im Blut der Taufliegen schien die Wespenlarven abzutöten, sodass deutlich mehr Fliegenlarven überlebten als mit Futter ohne zugesetzten Alkohol.
Tatsächlich scheinen sich die jungen Fliegen sogar aktiv und absichtlich alkoholhaltigem Futter zuzuwenden, wenn sie sich infiziert haben ? offenbar eine Strategie, mit der sie sich selbst therapieren. Das zeigte ein weiteres Experiment, in dem die Fliegen die Wahl hatten, sich für Nahrung mit oder ohne Alkohol zu entscheiden. Waren die Fliegen mit Wespenlarven infiziert, dann wählten sie signifikant häufiger die Mahlzeit ?mit Schuss?, als wenn sie nicht befallen waren.
Keinen Erfolg hatten die Taufliegen mit ihrer Therapie hingegen, wenn sie von einer Wespenart befallen waren, die auf Drosophila melanogaster als Wirt spezialisiert ist. In diesem Fall wirkte es sich nicht auf die Überlebensrate der infizierten Fliegen aus, wenn sie Alkohol aufgenommen hatten. Offenbar hatte sich die Spezialistenart im Laufe der Evolution notgedrungen an die regelmäßige Trunkenheit ihres Wirtes angepasst, während die weniger spezialisierte Wespenart auf andere, nicht alkoholisierte Wirtsarten ausweichen konnte.
Die Autoren sehen in ihrer Studie einen Anlass, das Potenzial von Alkohol bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten in anderen Organismen zu erforschen. Es sollte dabei aber nicht verschwiegen werden, dass die Alkoholtherapie bei den untersuchten Fliegenlarven zwar zum Tod eines großen Teils der Wespen führte ? aber auch zum Tod vieler Fliegenlarven durch Alkohol.





