Hochbegabte Kinder und Jugendliche haben nach Darstellung des Marburger Psychologie-Professors Detlef Rost nicht mehr Probleme als normal begabte Schüler. “Die ganzen Vorurteile, dass Hochbegabte mit den Lehrern nicht zurecht kommen, isolierte Einzelgänger sind und besonders aggressiv, konnten wir in unseren Studien nicht bestätigen”, sagte Rost in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der Psychologe forscht seit 1987 über Hochbegabung und leitet seit zwei Jahren die begabungsdiagnostische Beratungsstelle “BRAIN” an der Universität Marburg.
Unsere Ergebnisse sind für Laien deshalb erstaunlich, weil die Probleme in der Ratgeberliteratur völlig anders dargestellt werden, berichtete Rost. Weil viele Forscher aber mit sehr kleinen und vor allem nicht repräsentativen Stichproben arbeiteten, würden häufig völlig falsche Ergebnisse veröffentlicht.
So hätten Wissenschaftler hoch begabte Kinder von Eltern untersucht, die sich zu einer Selbsthilfegruppe zusammen geschlossen hatten. “Das sind dann aber von vornherein schon die problematischen Kinder und nicht die typischen Hochbegabten – Selbsthilfegruppen für das pflegeleichte Sonnenscheinkind werden schließlich nicht gegründet”, sagte Rost.
Als hoch begabt bezeichnen Psychologen Menschen mit einem Intelligenzquotienten von mehr als 130. Der durchschnittliche IQ liegt dagegen zwischen 90 und 110. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung gelten als hoch begabt, wie der Fachmann berichtete. In Deutschland seien daher etwa 350 000 Schüler überdurchschnittlich intelligent.
dpa





