Hitzewellen, Dürren und Extremwetterereignisse: Auch in Europa macht sich der Klimawandel zunehmend bemerkbar. Einen Überblick über aktuelle klimatische Entwicklungen in Europa gibt der neue Bericht der EU-Institution Copernicus, der zentralen Erdbeobachtungskomponente des EU-Weltraumprogramms. Basierend auf Daten von Satelliten und Messtationen und unter Beteiligung zahlreicher europäischer Wetterdienste und anderer Forschungsinstitutionen zeigt der Bericht, welche klimatischen Bedingungen Europa im Jahr 2022 prägten.

Heißester Sommer in Europa
Demnach war das Jahr 2022 in Europa das zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, nur übertroffen von 2020. Die sommerlichen Durchschnittstemperaturen lagen um 0,3 bis 0,4 Grad Celsius über denen von 2021, das bisher als das Jahr mit dem heißesten Sommer galt. Die Messdaten zeigen, dass die Temperaturen in Europa schneller steigen als auf jedem anderen Kontinent. Während die globalen Durchschnittstemperaturen der letzten fünf Jahre rund 1,2 Grad Celsius über den Werten des vorindustriellen Zeitalters liegen, sind sie in Europa bereits um 2,2 Grad Celsius angestiegen, in der europäischen Arktis sogar um drei Grad Celsius.
„Die derzeitige Erwärmung bewegt sich im oberen Bereich der Klimaprojektionen“, ordnet der Klimatologe Karsten Friedrich vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach ein. „Ein Anstieg der Mitteltemperatur ist immer auch mit einem Anstieg extrem hoher Temperaturen verbunden. Damit werden Hitzewellen wie in den letzten Jahren wiederholt und stärker auftreten.“ 2022 gab es Hitzewellen in weiten Teilen Europas. Im Juli erreichten die Temperaturen sogar in Großbritannien erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen 40 Grad Celsius.
Trockenheit und Gletscherschmelze
Während der Sommermonate führte die Kombination aus Hitze und geringen Niederschlägen zu starker Trockenheit in den meisten europäischen Ländern. Verstärkt wurde das Problem dadurch, dass es im Winter 2021/2022 in einigen Gebieten bis zu 30 Schneetage weniger als im Durchschnitt gab. „Viele große europäische Flüsse wie Po, Rhein und Rhone sind auf das Schmelzwasser der Alpen angewiesen“, erklärt Friedrich. „Die Wasserarmut des Pos hat in Norditalien eine extreme Dürre verursacht, in deren Folge die Landwirtschaft starke Einbußen verzeichnen musste. Aber auch die Schifffahrt auf dem Rhein war wieder beeinflusst.“
Für die Alpen verzeichnet der Bericht einen Rekordverlust an Gletschereis: Mehr als fünf Kubikkilometer Gletschereis sind demnach abgeschmolzen. Auch die europäische Arktis war stark von den hohen Temperaturen betroffen. Im September lagen die Temperaturen in Grönland bis zu acht Grad Celsius über dem Durchschnitt und statt dem in diesem Monat üblichen Schnee fiel Regen. Das führte zu einer starken Eisschmelze, von der zwischenzeitlich mindestens 23 Prozent des Eisschildes betroffen waren.





