Um diese Hypothese experimentell abzustützen, belieferten die Wissenschaftler die Meisen im Winter mit zusätzlicher Nahrung. Tatsächlich gab es deutlich weniger Attacken, wenn die Vögel genug zu essen hatten. Die Fledermäuse müssen daher nur als Notmahlzeit herhalten, folgern die Forscher. In einem zweiten Experiment beschallten sie die Meisen mit Fledermausrufen, da sie vermuteten, dass die Vögel diese hören und deuten können und danach die Fledermausnester gezielt aufsuchen. Auch diese These bestätigte sich: Die Vögel wandten ihre Köpfe in Richtung der Lautsprecher und näherten sich diesen auch an. Einige flogen, andere hüpften dorthin, und allmählich wurden alle anwesenden Vögel von der Bewegung angesteckt.
Die Tatsache, dass die Vögel offenbar voneinander lernen, wollen die Forscher nun genauer untersuchen. Aus den 1940er Jahren sind schwedische Berichte von Fledermäuse fressenden Meisen überliefert, und in Polen beobachteten Forscher 1996 dasselbe Phänomen. Die Frage laute, ob sogenannte kulturelle Transmission, also das Weitergeben von angelernten Fähigkeiten, die ungarischen Meisen mit den polnischen verbinde, oder ob die beiden Populationen das Verhalten unabhängig voneinander entwickelt hätten, schließen die Forscher. Dies müsse in künftigen Untersuchungen geklärt werden.





