Nahe der italienischen Stadt Neapel schlummert ein Monster im Untergrund: Die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) werden als Supervulkan eingestuft, denn dort liegt eine gewaltige Magmakammer in der Tiefe und sorgt immer wieder für vulkanische Aktivitäten. Am drastischsten wurde dies vor knapp 40.000 Jahren deutlich: Eine gigantische Eruption hüllte damals halb Europa in Asche und Rauch und prägte die Region nachhaltig. Wirklich zur Ruhe gekommen ist das etwa 150 Quadratkilometer große Gebiet anschließend nie. Der letzte größere Ausbruch ereignete sich im Jahre 1538: Bei einer Eruption in den Phlegräischen Feldern entstand ein neuer Vulkankrater – der 132 Meter hohe Monte Nuovo.
Erwacht das Monster wieder?
Aktuell richtete sich erneut ein banger Blick auf das Gebiet. In den letzten 70 Jahren hat es dort immer wieder kräftig rumort: Es kam zu Zehntausenden von kleinen Erdbeben und die Küstenstadt Pozzuoli wurde um fast vier Meter angehoben. Eine kürzlich erschienene Studie kam zu dem Ergebnis, dass diese Prozesse möglicherweise zu kritischen Instabilitäten geführt haben, die zu einem Ausbruch führen könnten. In der dicht besiedelten Region hätte dies verheerende Folgen. Was nun allerdings genau passieren wird, bleibt fraglich – denn auch eine erneute Beruhigung scheint möglich.
In der aktuellen Studie haben die Forscher um Elisa Trasatti vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie in Neapel nun einen Blick in die vulkanische Geschichte der Region geworfen, um Gegenwart und Zukunft beleuchten zu können. “Heute werden die mit der vulkanischen Aktivität verbundenen Bodenverformungen sowohl mit Satelliten als auch mit am Boden installierten Messnetzen überwacht. Wir wissen jedoch immer noch sehr wenig über das Verhalten von Vulkanen in der Vergangenheit, also vor dem Aufkommen der instrumentellen Ära”, sagt Trasatti.
Die Forscher nahmen den letzten größeren Ausbruch in den Phlegräischen Feldern ins Visier: Die Eruption von 1538, die den Monte Nuovo auftürmte. Um die Veränderungen des Bodenniveaus an der Küste zwischen 1515 und 1650 zu rekonstruieren, hat das Team einen Datensatz aus geologischen, archäologischen und historischen Daten erstellt und als Grundlage für Modellberechnungen genutzt. “Die Anwendung mathematischer Modelle zur Simulation des magmatischen Systems der Campi Flegrei hat es uns ermöglicht, das Verhalten des vulkanischen Apparats in den verschiedenen Phasen der Aktivität zu verstehen“, sagt Trasatti.
Starke Bodenverformungen
Aus den Daten geht hervor, dass der Eruption eine starke Anhebung des Bodens vorausging, die zunächst das Gebiet von Pozzuoli betraf. Anschließend beschränkte sich die Hebung auf den Bereich des zukünftigen Eruptionsschlots und erreichte eine Höhe von 20 Metern, berichtet Trasatti. Nach dem Ausbruch kam es dann zu einem Wechsel von Senkungen und Anhebungen, geht aus den Modellierungen hervor: „Von 1538 bis 1540 war die Caldera zunächst von Senkungsphänomenen betroffen. Von 1540 bis 1582, also über 40 Jahre lang, kam es dann erneut zu einer Anhebung des Bodens, bevor erneut eine Phase der Senkung einsetzte, die lange andauerte”, berichtet die Forscherin.





